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Auszüge aus den Apokryphen


Aus: Das Evangelium des vollkommenen Lebens (Evangelium der Heiligen Zwölf)

 

 

 

Kapitel 2: Die unbefleckte Empfängnis von Jesu Christi

 

6. Da sprach Maria zu dem Engel: „Wie soll das geschehen, da ich von keinem Manne weiß?“ Und der Engel antwortete und sprach zu ihr: „Der Heilige Geist wird über Joseph deinen Partner kommen und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten, oh Maria; darum wird auch das Heilige, das von dir geboren wird, Christus, Gottes Sohn, genannt werden, und sein Name auf Erden soll sein Jesus; denn er soll die Menschen von ihren Sünden erlösen, wenn immer sie Reue zeigen und seinem Gesetze gehorchen.

7. Deshalb sollst du auch kein Fleisch essen noch starke Getränke trinken; denn das Kind wird Gott geweiht sein vom Schoße seiner Mutter an, und weder Fleisch noch starke Getränke soll es zu sich nehmen, noch soll jemals ein Schermesser sein Haupt berühren.

 

 

Kapitel 6: Kindheit und Jugend Jesu

 

 

1. Nun gingen seine Eltern, Joseph und Maria, jedes Jahr nach Jerusalem hinauf zum Passahfest; sie feierten das Fest nach der Art ihrer Brüder, die das Blutvergießen, Fleischessen und starke Getränke unterließen. Als Jesus zwölf Jahre alt war, ging er mit ihnen hinauf nach Jerusalem nach dem Brauch des Festes.

6. Und er ging mit ihnen hinab und ging nach Nazareth und war ihnen gehorsam. Und er machte Räder und Joche und auch Tische mit großer Geschicklichkeit. Und Jesus nahm zu an Statur und auch an Gefallen bei Gott und den Menschen.

7. Und eines Tages kam der Knabe Jesus an einen Ort, wo ein Fallstrick für Vögel gelegt war, und es standen einige Knaben dabei. Und Jesus sprach zu ihnen: „Wer hat diese Schlinge hierher gelegt für die unschuldigen Geschöpfe Gottes? Siehe, sie werden in gleicher Weise in einer Schlinge gefangen werden.“ Und er erblickte zwölf Sperlinge wie sie tot waren.

8. Und er bewegte seine Hände über ihnen und sprach zu ihnen: „Geht, fliegt hinweg, und solange ihr lebet, denket an mich.“ Und sie erhoben sich und flogen hinweg mit Geschrei. Die Juden, die das sahen, waren sehr erstaunt und erzählten es den Priestern.

9. Und andere Wunder tat das Kind, und man sah, wie Blumen unter seinen Füßen empor sprossen, dort, wo nichts als karger Boden war. Und seine Begleiter bekamen Ehrfurcht vor ihm.

14. Und die Tiere des Feldes empfanden Ehrfurcht vor ihm, und die Vögel unter dem Himmel hatten keine Furcht vor ihm; denn er erschreckte sie nicht, ja, sogar die wilden Tiere der Wüste nahmen die Kraft Gottes in ihm wahr und dienten ihm freiwillig und trugen ihn von Ort zu Ort.

15. Denn der Geist göttlicher Menschlichkeit erfüllte ihn und erfüllte so alle Dinge um ihn herum und machte ihm alles untertan; und somit erfüllten sich die Worte der Propheten: „Der Löwe wird liegen bei dem Kalbe und der Leopard bei dem Kitz und der Wolf bei dem Lamm und der Bär bei dem Esel und die Eule bei der Taube. Und ein Kind soll sie führen.

16. Und niemand soll verletzen oder töten auf meinem heiligen Berge; denn die Erde soll erfüllet werden von der Erkenntnis des Heiligen selbst, wie die Wasser bedecken das Bett des Meeres. Und in diesen Tagen will ich nochmals einen Bund schließen mit den Tieren des Feldes und den Vögeln der Luft, mit den Fischen des Meeres und mit allen geschaffenen Dingen. Und ich will den Bogen und das Schwert zerbrechen und alle Werkzeuge des Krieges will ich verbannen von der Erde, und sie sollen weggelegt werden in Sicherheit, damit alle ohne Furcht leben.

17. Und Ich will mich dir angeloben in Ewigkeit in Gerechtigkeit und in Frieden und in der Güte des Herzens, und du sollst deinen Gott erkennen, und die Erde soll hervorbringen das Korn und den Wein und das Öl, und ich will zu ihnen sagen, die nicht mein Volk sind: Du bist mein Volk, und sie werden zu mir sprechen: Du bist unser Gott.“

18. Und eines Tages ging er einen Bergpfad entlang am Rande der Wüste; da traf er auf einen Löwen, den verfolgte eine Menge Menschen mit Steinen und Speeren, um ihn zu töten.

19. Aber Jesus bedrohte sie und sprach: „Warum jagt ihr die Geschöpfe Gottes, die edler sind als ihr? Durch die Grausamkeit vieler Generationen wurden sie zu Feinden der Menschen gemacht, die eigentlich ihre Freunde sein sollten.

20. Wenn die Kraft Gottes in ihnen sichtbar wird, so zeigt sich auch seine Geduld und sein Mitleid. Höret auf, dieses Geschöpf zu verfolgen! Es will euch kein Leid tun. Seht ihr nicht, wie es vor euch flieht und erschreckt ist von eurer Gewalttätigkeit?“

21. Und der Löwe kam herbei und legte sich vor Jesu Füße und zeigte ihm seine Liebe. Und das Volk staunte sehr und sagte: „Sehet, dieser Mensch liebt alle Geschöpfe, und hat sogar Befehl über die Tiere der Wüste, und sie gehorchen ihm.“

 

 

Kapitel 7: Die Predigt von Johannes dem Täufer

 

4. Johannes aber hatte ein Gewand aus Kamelhaaren und einen ebensolchen Gürtel um die Lenden, und seine Nahrung waren die Früchte des Erbsenbaumes und wilder Honig. Und es gingen zu ihm Jerusalem und ganz Judäa und alle aus dem Land entlang dem Jordan und wurden getauft von ihm im Jordan und bekannten ihre Sünden.

10. Und er sprach zu allen und sagte zu ihnen: „Haltet euch fern vom Blut der Erwürgten und von den toten Körpern der Vögel und Tiere und hütet euch vor allen Taten der Grausamkeit und allem Unrecht. Glaubt ihr denn, das Blut der Tiere und der Vögel kann Sünde abwaschen? Ich sage euch: Nein. Sprecht die Wahrheit! Seid gerecht, seid barmherzig zueinander und zu allen Geschöpfen, die da leben, und wandeln demütig vor eurem Gott.“

 

 

Kapitel 14: Die Berufung des Andreas und Petrus

 

6. Uns als Jesus mit einigen seiner Jüngern ging, begegnete er einem Manne, der Hunde trainierte andere Tiere zu jagen; und er sprach zu dem Manne: „Warum tust du das?“ Und der Mann entgegnete: „Weil ich davon lebe. Was für einen Nutzen haben diese Tiere denn? Diese Tiere sind schwach, die Hunde aber sind stark.“ Und Jesus sprach zu ihm: „Dir mangelt es an Weisheit und Liebe. Siehe, jedes Geschöpf, welches Gott erschaffen hat, hat seinen Zweck, und wer kann sagen, was Gutes in ihm ist zu was sie nützen für dich oder die Menschheit?

7. Und für dein Leben: Siehe die Felder, wie sie wachsen und fruchtbar sind, und die Frucht tragenden Bäume und die Kräuter! Was brauchst du mehr als diese, was dir die ehrliche Arbeit deiner Hände gibt? Wehe den Starken, die ihre Stärke missbrauchen! Wehe den Jägern, denn sie sollen selbst gejagt werden!“

8. Und der Mann staunte und ließ davon ab, die Hunde zur Jagd zu trainieren, und lehrte sie, Leben zu retten und nicht, es zu verderben. Und er lernte die Lehre Jesu an und wurde sein Jünger.

 

 

Kapitel 18: Die Aussendung der Zweiundsiebzig

 

5. Und in welche Stadt ihr auch kommen werdet, und sie empfangen euch, esset das, was euch vorgesetzt wird, außer von Lebendigem. Und heilt die Kranken, die dort sind, und sprechet zu ihnen: Das Reich Gottes ist nahe zu euch gekommen.

6. Und in dem Hause bleibt und esset und trinket, was man euch vorsetzt ohne Blutvergießen; denn der Arbeiter ist seines Lohnes wert. Gehet nicht von Haus zu Haus.

 

 

Kapitel 20: Rückkehr der Zweiundsiebzig

 

6. Und er wandte sich zu seinen Jüngern und sagte ihnen im Vertrauen: „Selig sind die Augen, die da sehen, was ihr sehet. Denn ich sage euch: Viele Propheten und Könige wollten das, was ihr sehet, und haben es nicht gesehen, und wollten hören, was ihr hört, und haben es nicht gehört.

7. Gesegnet seid ihr in dem inneren Kreise, der mein Wort hört und denen die Geheimnisse enthüllt werden, die ihr kein unschuldiges Geschöpf gefangen nehmt oder tötet, sondern die ihr das Gute suchet in allem; denn solchen gehört ewiges Leben.

8. Gesegnet sollen sein, die sich von allem enthalten, was durch Blutvergießen und Töten erlangt wurde, und alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Gesegnet seid ihr; denn ihr werdet Seligkeit erlangen.“

 

 

Kapitel 21: Jesus tadelt die Grausamkeit gegen ein Pferd

 

 

1. Und es begab sich, dass der Herr aus der Stadt zog und mit seinen Jüngern über das Gebirge ging. Und da kamen sie an einen Berg dessen Wege waren steil und dort fanden sie einen Mann Lasttier.

2. Aber das Pferd aber war zusammengebrochen, denn es war überlastet. Der Mann schlug es, bis das Blut floss. Und Jesus trat zu ihm hin und sprach: „Du Sohn der Grausamkeit, warum schlägst du dein Tier? Siehst du denn nicht, dass es für seine Last viel zu schwach ist, und weißt du nicht, dass es leidet?“

3. Doch der Mann antwortete und sprach: „Was hast du damit zu tun? Ich kann mein Tier schlagen, so viel es mir gefällt; denn es gehört mir, und ich kaufte es für eine stattliche Summe Geld. Frage die, die bei dir sind, sie sind aus meiner Nachbarschaft und wissen es.“

4. Und einige von den Jüngern antworteten und sagten: „Ja, Herr, es ist so, wie er sagt, wir waren dabei, als er das Pferd kaufte.“ Und der Herr erwiderte: „Sehet ihr denn nicht, wie es blutet, und höret ihr nicht, wie es stöhnt und jammert?“ Sie aber antworteten und sagten: „Nein, Herr, wir hören nicht, dass es stöhnt und jammert!“

5. Und der Herr wurde traurig und sprach: „Wehe euch, der Stumpfheit eures Herzens wegen hört ihr nicht, wie es klagt und schreit zu seinem himmlischen Schöpfer um Erbarmen, und dreimal Wehe über den, gegen den es schreit und stöhnt in seiner Qual!“

6. Und er ging weiter und berührte das Pferd, und das Tier erhob sich, und seine Wunden waren geheilt. Aber zu dem Manne sprach er: „Gehe nun deinen Weg und schlage es künftig nicht mehr, wenn auch dir nach Gnade verlangt.“

7. Und da er das Volk herankommen sah, sprach Jesus zu seinen Jüngern: „Des Kranken wegen bin ich krank, des Hungrigen wegen leide ich Hunger, des Durstigen wegen leide ich Durst.“

8. Er sagte auch: „Ich bin gekommen, die Opfer und die Blutfeste abzuschaffen. Wenn ihr nicht aufhören werdet, Fleisch und Blut der Tiere zu opfern und zu verzehren, so wird der Zorn Gottes nicht aufhören, über euch zu kommen; ebenso wie er über eure Vorfahren in der Wüste gekommen ist, die nach Fleisch lüstern und essen. Sie werden von Fäulnis erfüllt und von der Pest aufgezehrt.

9. Und ich sage euch, selbst wenn ihr versammelt seid in meiner Brust , haltet aber meine Gebote nicht, so will ich euch verstoßen. Denn wenn ihr nicht das verborgene Wissen im Kleinen erfüllen wollt, wie soll ich euch dann das größere geben?

10. Wer treu ist im Geringsten, wird auch treu sein im Großen; und wer ungerecht ist im Geringsten, wird auch ungerecht sein im Großen.

11. Und wenn ihr nicht treu gewesen seid in den sündhaften irdischen Gütern, wer wird euch die wahren Reichtümer anvertrauen? Und wenn ihr nicht treu gewesen seid in dem, was eines anderen ist, wer wird euch dann das eure geben?

12. Niemand kann zwei Herren dienen. Denn entweder muss er den einen hassen und den anderen lieben; oder er muss zum einen halten und den anderen geringschätzen. Ihr könnt nicht Gott und dem Mammon zugleich dienen.“ Und die Pharisäer, welche habgierig waren, hörten alle diese Worte und verspotteten ihn.

13. Und er sprach zu ihnen: „Ihr seid es, die sich vor Menschen rechtfertigen; aber Gott kennt eure Herzen: Denn was unter den Menschen hochgeschätzt ist, ist ein Gräuel im Angesichte Gottes.

14. Das Gesetz und die Propheten galten bis zu Johannes. Und von dieser Zeit an wird das Reich Gottes gepredigt, und jedermann dringt hinein. Es ist aber leichter, dass Himmel und Erde vergehen, denn dass ein Pünktchen des Gesetzes sich nicht erfülle.“

15. Und es kamen mehrere Frauen zu ihm und brachten ihre Kindlein, die sie an der Brust hatten, zu ihm, damit er sie segne. Aber einige sagten: „Warum belästigt ihr den Meister?“

16. Doch Jesus verwarnte sie und sprach: „Von diesen da werden jene kommen, die mich vor den Menschen verkünden werden.“ Und er nahm sie in seine Arme und segnete sie.

 

 

Kapitel 24: Jesus verurteilt Grausamkeit – Er heilt Kranke und treibt Teufel aus

 

 

1. Als Jesus durch ein Dorf ging, sah er eine Gruppe von Tagedieben. Diese quälten eine Katze, die sie gefunden hatten, und misshandelten sie schändlich. Und Jesus befahl ihnen, dies zu unterlassen, und begann mit ihnen zu schelten; aber sie achteten auf seine Worte nicht und schmähten ihn.

2. Da machte er eine Peitsche aus geknoteten Schnüren und trieb sie weg und sprach: „Diese Erde, die mein Vater zu Glück und Fröhlichkeit erschaffen hat, habt ihr zur tiefsten Hölle gemacht mit eure Taten von Gewalt und Grausamkeit.“ Und sie flohen vor seinem Angesichte.

 

9. Und Jesus ging umher in alle Städte und Dörfer, lehrte in ihren Synagogen, predigte das Evangelium vom Reiche Gottes und heilte jegliche Seuche und alle Krankheit im Volke.

10. Aber da er die Mengen sah, überkam ihn das Mitleid; denn sie waren träge und verstreut wie Schafe, die keinen Hirten haben.

11. Da sprach er zu seinen Jüngern: „Die Ernte ist wahrhaft übergroß, aber es sind wenige Arbeiter. Darum bittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter in seine Ernte sende.“

12. Und seine Jünger brachten ihm zwei kleine Körbe voll Brot und Früchte und einen Krug voll Wasser. Und Jesus stellte das Brot und die Früchte vor sie hin und auch das Wasser. Und sie aßen und tranken alle und wurden satt.

13. Und sie wunderten sich; denn jeder von ihnen hatte genug und behielt noch etwas übrig, und es waren ihrer doch viertausend. Und sie zogen fort und priesen Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten.

 

 

Kapitel 25: Bergpredigt (Teil 1)

 

16. „Und wenn du etwas wie dein Leben begehrst, aber es führet dich von der Wahrheit ab, lasse ab davon, denn es ist besser, in das Leben einzugehen und die Wahrheit zu besitzen, als es zu verlieren und in die äußere Finsternis gestoßen zu werden.

17. Und wenn du etwas begehrst, auf Kosten eines anderen Schmerz und Leid, reiß es aus deinem Herzen. Nur so wirst du Frieden erlangen. Denn es ist besser, Leid zu ertragen, als jenen Kummer zu bereiten, die schwächer sind als ihr.“

 

 

Kapitel 28: Jesus befreit die Tiere

 

1. Einen Tag, nachdem Jesus seine Rede beendet hatte, geschah es an einer Stelle bei Tiberias, wo sieben Quellen sind, dass ein junger Mann ihm lebende Kaninchen und Tauben brachte, damit er sie mit seinen Jüngern essen kann.

2. Und Jesus blickte den jungen Mann liebevoll an und sprach zu ihm: „Du hast ein gutes Herz, und Gott wird dich erleuchten; aber weißt du nicht, dass Gott am Anfang dem Menschen die Früchte der Erde zur Nahrung gab und ihn dadurch nicht geringer machte als den Affen oder den Ochsen oder das Pferd oder das Schaf, dass er seine Mitgeschöpfe tötet und ihr Fleisch und Blut verzehrt?

3. Ihr glaubt, dass Moses zu Recht befahl, solche Geschöpfe zu opfern und zu verzehren, und so tut ihr es im Tempel; aber siehe, ein Größerer als Moses ist hier und kommt, die Blutopfer des Gesetzes und die Gelage abzuschaffen und wieder herzustellen die reine Gabe und das unblutige Opfer, wie es im Anfange war, nämlich Körner und Früchte der Erde.

4. Von dem, was ihr Gott zum Opfer darbringt in Reinheit, sollt ihr essen, aber was ihr nicht opfert in Reinheit, sollt ihr nicht essen, denn es wird die Stunde kommen, da eure blutigen Opfer und Feste aufhören werden und ihr Gott anbeten werdet im heiligen Gottesdienst und reiner Opfergabe.

5. Lasset daher die Geschöpfe frei, dass sie sich in Gott freuen und die Menschen nicht in Schuld bringen.“ Und der Jüngling setzte sie frei, und Jesus zerriss ihre Käfige und ihre Fesseln.

6. Doch, siehe, sie fürchteten, wieder eingefangen zu werden, und wollten nicht weg von ihm. Aber er sprach zu ihnen und hieß sie gehen, und sie gehorchten seinen Worten und gingen in Freude.

7. Damals als sie noch an der mittleren der sieben Quellen saßen, erhob sich Jesus und rief aus: „Lasset jene, die da dürsten, zu mir kommen und trinken; denn ich will ihnen vom Wasser des Lebens geben.

8. Aus den Herzen derer, die an mich glauben, werden Wasserströme fließen, und was ihnen gegeben ist, das sollen sie mit Vollmacht sprechen, und ihre Lehre wird wie lebendiges Wasser sein.

9. (Dieses sagte er von dem Geiste, den die, welche an ihn glaubten, erlangen sollten; denn die Fülle des Geistes war noch nicht ausgegossen, da Jesus noch nicht verherrlicht war.)

10. Wer da trinkt von dem Wasser, das ich geben werde, wird niemals dürsten; denn das Wasser, das von Gott kommt, wird in ihnen sein wie eine Quelle, die sprießt zum ewigen Leben.“

 

 

Kapitel 29: Jesus schreitet auf dem Wasser

 

1. Das Passahfest nahte, und die Apostel und ihre Begleiter versammelten sich um Jesus und erzählten ihm alles, was sie getan und gelehrt hatten. Und er sprach zu ihnen: „Kommet und lasset uns zu einem abgelegenen Platz gehen, und ruhet ein wenig.“ Denn viele Menschen kamen und gingen, und sie konnten nicht einmal in Ruhe essen.

2. Und sie fuhren heimlich mit einem Schiff zu einer einsamen Stelle. Aber das Volk sah sie wegfahren. Viele kannten ihn und liefen zu Fuß dorthin aus allen Städten. Sie kamen ihnen zuvor und trafen bei ihm zusammen.

3. Und als Jesus ausstieg, sah er viel Volk; und er war von Mitgefühl bewegt, denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben.

4. Und der Tag war schon weit vorgerückt, da traten seine Jünger zu ihm und sagten: „Dies ist ein abgelegener Platz, und die Zeit ist fast vorbei. Schicke sie fort, dass sie ins Land rundum in die Dörfer gehen und sich Brot kaufen; denn sie haben nichts zu essen.“

5. Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: „Gebt ihr ihnen zu essen!“ Und sie sagten zu Ihm: „Sollen wir hingehen und für zweihundert Groschen Brot kaufen und ihnen zu essen geben?“

6. Er sprach zu ihnen: „Wie viele Brote habt ihr? Gehet hin und sehet.“ Und als sie es festgestellt hatten, sagten sie: „Sechs Brote und sieben Trauben Weinbeeren.“ Und er gebot ihnen, dass sie sich alle zu je fünfzig auf das Gras lagerten. Und sie setzten sich in Reihen von Hunderten und Fünfzig.

7. Und als er die sechs Brote und die sieben Weintrauben genommen hatte, blickte er zum Himmel auf, segnete und brach die Brote und ebenso die Trauben und gab sie den Jüngern, dass sie sie den Leuten vorlegten, und sie teilten alles unter das Volk aus.

8. Und sie aßen alle und wurden satt. Und sie sammelten zwölf Körbe voll Brocken auf, die übriggeblieben waren. Und die von den Broten und den Früchten gegessen hatten, waren fünftausend Männer, Frauen und Kinder; und er lehrte sie viele Dinge.

 

 

Kapitel 31: Das Brot des Lebens – Das Bekenntnis des Petrus – Der Kameltreiber

 

1. Und abermals sprach Jesus: „Ich bin das wahre Brot und der lebendige Weinstock. Eure Väter haben Manna gegessen in der Wüste und sind gestorben. Dies ist die Speise Gottes, die vom Himmel herabkommt, auf dass nicht sterben wird, wer davon isst. Ich bin die lebendige Speise, die vom Himmel herabkam. Wer von dieser Speise essen wird, der wird leben auf ewig. Und das Brot, das ich geben werde, ist meine Wahrheit, und der Wein, den ich geben werde, ist mein Leben.“

2. Da stritten sich die Juden untereinander und sagten: „Wie kann sich dieser uns zur Speise geben?“ Jesus sprach zu ihnen: „Glaubt ihr, dass ich vom Fleisch essen spreche, wie ihr es unwissend im Tempel Gottes tut?

3. Wahrlich, mein Leib ist göttliche Substanz, und dies ist die wahre Speise, und mein Blut ist das Leben Gottes, und dies ist der wahre Trank. Nicht wie eure Vorväter, die nach Fleisch verlangten, und Gott in seinem Zorn gab ihnen Fleisch, und sie aßen es in ihrer Verderbtheit, bis es in ihren Nasen stank und ihre Körper fielen zu Tausenden in der Wüste wegen der Pest.

4. Denn davon stehet geschrieben: Sie sollen wandern 49 Jahre in der Wüste, bis sie von ihren Begierden gereinigt sind, ehe sie in das Land der Ruhe einziehen, ja sieben mal sieben Jahre sollen sie wandern, denn sie haben meine Wege nicht gekannt, noch meine Gebote befolgt.

5. Wer aber dieses Fleisch isst und trinkt dies Blut, der wohnt in mir und ich in ihm. Wie mich der lebendige Vater gesandt hat, aus dem ich lebe, ebenso werden die leben aus mir, die mich essen, der ich die Wahrheit und das Leben bin.

6. Dies ist das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist, und Leben gibt der Welt. Nicht wie eure Vorväter, welche Manna gegessen haben und gestorben sind. Wer dieses Brot und diese Frucht isst, der wird leben auf ewig.“ Solches sprach er in der Synagoge, als er lehrte zu Kapernaum. Viele seiner Jünger nun, als sie das hörten, sagten: „Das ist eine harte Sprache; wer kann sie annehmen?“

7. Da Jesus aber erkannte, dass seine Jünger darüber murrten, sprach er zu ihnen: „Ärgert euch das? Wie, wenn ihr des Menschen Sohn werdet auffahren sehen dahin, wo er zuvor gewesen ist? Es ist der Geist, der lebendig macht, das Fleisch und Blut ist nichts nütze. Die Worte, die ich zu euch rede, sind Geist und sind Leben.

8. Aber es sind etliche unter euch, die glauben nicht.“ Denn Jesus wusste von Anfang an, welche nicht gläubig waren und wer ihn verraten würde. Darum sprach er zu ihnen: „Niemand kann zu mir kommen, es sei denn von oben gegeben.“

9. Von da an gingen viele seiner Jünger weg und wandelten hinfort nicht mehr mit ihm. Da sprach Jesus zu den Zwölfen: „Wollt auch ihr mich verlassen?“

10. Da antwortete ihm Simon Petrus: „Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast die Worte des ewigen Lebens. Und wir haben geglaubt und sind gewiss, dass du Christus bist, der Sohn des lebendigen Gottes.“

11. Jesus antwortete ihnen: „Habe ich nicht euch Zwölf erwählt? Und einen darunter, der ein Verräter ist?“ Er sprach von Judas Ischariot, dem Sohne Simons des Leviten; denn dieser war es, der ihn hernach verriet.

12. Jesus zog nach Jerusalem und begegnete einem Kamel beladen mit Holz. Das Kamel konnte es nicht den Berg hinauf ziehen, und der Treiber schlug es und misshandelte es grausam, aber er konnte das Tier nicht von der Stelle bringen.

13. Und als Jesus es sah, sprach er zu ihm: „Warum schlägst du deinen Bruder?“ Und der Mann erwiderte: „Ich wusste nicht, dass es mein Bruder ist. Ist es nicht ein Lasttier und dazu gemacht, mir zu dienen?“

14. Und Jesus sprach: „Hat nicht derselbe Gott aus dem gleichen Stoffe dieses Tier geschaffen und deine Kinder, die dir dienen, und habet ihr nicht denselben Atem beide von Gott empfangen?“

15. Und der Mann staunte sehr über diese Rede. Er hörte auf, das Kamel zu schlagen, und befreite es von einem Teil seiner Last. So schritt das Kamel den Berg hinan, und Jesus ging vor ihm, und es blieb nicht mehr stehen bis an das Ende seiner Tagesreise.

16. Das Kamel erkannte Jesus; denn es hatte die Liebe Gottes in ihm gefühlt. Und der Mann wollte mehr von der Lehre wissen, und Jesus lehrte ihn gerne, und er wurde sein Schüler.

 

 

Kapitel 32: Gott als Speise und Trank – Bedeutung von Fleisch und Blut

 

1. Und es geschah, da er mit seinen Jüngern bei der Abendessen saß, dass einer von ihnen zu ihm sagte: „Meister, warum sagtest du, dass du uns dein Fleisch willst zu essen geben und dein Blut zu trinken? Denn es ist für viele schwer zu verstehen.“

2. Und Jesus antwortete und sprach: „Die Worte, die ich zu euch gesprochen habe, sind Geist und sie sind Leben. Für den Unwissenden und fleischlich Gesinnten klingen sie nach Blutvergießen und Tod; aber gesegnet sind, die sie verstehen.

3. Sehet das Getreide, wie es wächst bis zur Reife und abgeschnitten und in der Mühle gemahlen und im Feuer zu Brot gebacken wird. Aus diesem Brot ist mein Leib gemacht, welchen ihr sehet. Und sehet die Weintrauben, welche an dem Weinstock wachsen bis zur Reife, gepflückt werden und in die Weinpresse kommen und die Frucht der Rebe schenken! Aus dieser Frucht des Weinstockes und aus Wasser ist mein Blut gemacht.

4. Denn von den Früchten der Bäume und der Saat der Pflanzen allein genieße ich, und diese werden vom Geiste in mein Fleisch und in mein Blut verwandelt. Von diesen allein und Ähnlichem sollt ihr, die ihr an mich glaubt und meine Jünger seid, essen, denn von diesen, im Geiste, kommen Leben und die Gesundheit und Heilung zu den Menschen.

5. Wahrlich, meine Gegenwart soll mit euch sein in der Substanz und im Leben Gottes, sichtbar geworden in diesem Leib und in diesem Blut; und von diesen sollt ihr alle, die ihr an mich glaubt, essen und trinken.

6. Denn an allen Orten werde ich auferstehen zum Leben der Welt, wie es geschrieben steht in den Propheten. Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Untergang soll überall in meinem Namen eine reine Opfergabe mit Weihrauch geopfert werden.

7. Wie im Körperlichen, so auch im Geistigen. Meine Lehre und mein Leben sollen Speise und Trank sein für euch, das Brot des Lebens und der Wein der Erlösung.

8. Ebenso wie das Getreide und die Weintrauben in Fleisch und Blut verwandelt werden, so müssen auch eure irdischen Gedanken in geistige verwandelt werden. Strebt die Verwandlung des Körperlichen in das Geistige an!

9. Wahrlich, ich sage euch, am Anfang haben alle Geschöpfe Gottes ihren Unterhalt allein in den Pflanzen und Früchten der Erde gefunden, bis die Unwissenheit und die Selbstsucht der Menschen viele davon abgebracht hat und zu dem gekehrt, was der ursprünglichen, von Gott gegebenen Ordnung widersprach. Aber selbst jene werden wieder zurückkehren zu der natürlichen Nahrung, wie es geschrieben steht in den Propheten und ihre Worte werden nicht versagen.

10. Wahrlich, Gott gibt ewig vom ewigen Leben und der ewigen Substanz, auf dass die Formen des Weltalls sich immer erneuern. Deshalb also habt ihr alle Anteil an dem Fleisch und Blut und der Substanz und dem Leben des Ewigen, und meine Worte sind Geist und Leben.

11. Und wenn ihr meine Gebote haltet und das Leben der Gerechten führt, werdet ihr glücklich sein in diesem Leben und im kommenden Leben. Wundert euch nicht über das, was ich euch gesagt habe: „Wenn ihr nicht essen das Fleisch und trinken das Blut von Gott, habt ihr kein Leben in euch.“

12. Und die Jünger antworteten: „Herr, gib uns immerdar zu essen von diesem Brote und zu trinken aus diesem Kelche; denn deine Worte sind wahrlich Speise und Trank. Durch dein Leben und durch deine Substanz werden wir ewig leben.“

 

 

Kapitel 33: Über Blutopfer und Sündenvergebung – Heilung am Teich Bethesda

 

1. Jesus lehrte seine Jünger im äußeren Hofe des Tempels, und einer von ihnen sagte zu ihm: „Meister, es wird gesagt von den Priestern, ohne Vergießen von Blut gebe es keine Vergebung von Sünden. Können denn die gesetzlichen Blutopfer die Sünden hinwegnehmen?“

2. Und Jesus antwortete: „Kein Blutopfer von Tier oder Vogel oder Mensch kann Sünden hinwegnehmen. Denn wie kann eine Schuld durch das Vergießen von unschuldigem Blut getilgt werden? Nein, es wird die Schuld noch vergrößern.

3. Die Priester empfangen sehr wohl solche Opfer zur Versöhnung von den Gläubigen für die Vergehen gegen das Gesetz des Moses, aber für die Sünden gegen das Gesetz Gottes gibt es keine Vergebung, es sei denn durch Reue und Besserung.

4. Steht nicht geschrieben in den Propheten: Nehmt eure Blutopfer und eure Brandopfer und weg mit ihnen! Höret auf, Fleisch zu essen; denn ich sprach darüber nicht zu euren Vätern noch habe ich es ihnen befohlen, als ich sie aus Ägypten führte. Aber dies habe ich befohlen:

5. Gehorcht meiner Stimme und wandelt die Wege, die ich euch befohlen habe, und ihr werdet mein Volk sein, und es wird euch wohl ergehen. Doch sie waren nicht geneigt und horchten nicht.

6. Und was befiehlt euch der Ewige anders, als Gerechtigkeit und Barmherzigkeit zu üben und demütig zu wandeln mit eurem Gott? Steht nicht geschrieben, dass Gott am Anfange die Früchte der Bäume und die Samen und Kräuter zur Nahrung für alles Fleisch bestimmte?

7. Aber sie haben das Bethaus zu einem Haus von Dieben gemacht, und an Stelle des reinen Opfers mit Weihrauch haben sie meine Altäre mit Blut besudelt und das Fleisch der geschlachteten Tiere gegessen.

8. Ich aber sage euch: Vergießt kein unschuldiges Blut, noch esset das Fleisch. Seid aufrichtig, liebt die Barmherzigkeit und tut recht, und eure Tage werden lange währen im Lande.

9. Das Korn, das aus dem Erdreich wächst mit dem anderen Getreide, wird es nicht durch den Geist verwandelt in mein Fleisch? Die Beeren des Weinberges und die anderen Früchte, werden sie nicht verwandelt durch den Geist in mein Blut? Lasset dieses mit euren Körpern und Seelen euer Denkmal an den Ewigen sein.

10. Darin ist die Gegenwart Gottes sichtbar als Substanz und als das Leben der Welt. Davon sollt ihr alle essen und trinken zur Vergebung der Sünden, und für das ewige Leben für alle, die meinen Worten gehorchen.“

 

 

Kapitel 34: Die Liebe Jesu für alle Geschöpfe

 

1. Als Jesus erkannte, wie die Pharisäer murrten und Anstoß nahmen, dass er mehr Jünger gewann und taufte als Johannes, verließ er Judäa und ging wieder nach Galiläa.

2. Und Jesus kam zu einem Baum, unter dem er mehrere Tage verweilte. Und dorthin kamen auch Maria Magdalena und andere Frauen, und dienten ihm mit ihrer Habe, und er lehrte täglich alle, die zu ihm kamen.

3. Und die Vögel sammelten sich um ihn und begrüßten ihn mit ihrem Gesang, und andere Geschöpfe kamen zu seinen Füßen, und er fütterte sie, und sie fraßen ihm aus der Hand.

4. Und als er weiter zog, segnete er die Frauen, die ihm ihre Liebe bezeugt hatten, und er wandte sich zu dem Feigenbaum und segnete auch ihn. Und er sprach: „Du gabst mir Obdach und Schatten gegen die brennende Hitze, und zu alledem gabst du mir auch Nahrung.

5. Sei gesegnet, wachse und sei fruchtbar und lasse alle, die zu dir kommen, Ruhe, Schatten und Nahrung finden und lasse die Vögel der Luft ihre Freude finden in deinen Zweigen.“

6. Und siehe, der Baum wuchs und gedieh ganz ungewöhnlich, und seine Äste breiteten sich immer mehr aus nach oben und nach unten, so dass kein ähnlicher Baum von solcher Schönheit und Größe zu finden war und keiner mit einer solchen Fülle und einer solchen Güte der Früchte wie dieser.

7. Jesus kam in ein Dorf und sah dort eine kleine Katze, die herrenlos war, und sie litt Hunger und schrie zu ihm. Und er nahm sie hoch, hüllte sie in sein Gewand und ließ sie an seiner Brust ruhen.

8. Und als er durch das Dorf ging, gab er der Katze zu essen und zu trinken. Und sie aß und trank und zeigte ihm ihren Dank. Und er gab sie einer seiner Jüngerinnen, einer Witwe mit Namen Lorenza, und sie sorgte für sie.

9. Und einige aus dem Volke sagten: „Dieser Mann sorgt für alle Tiere. Sind sie seine Brüder und Schwestern, dass er sie so liebt?“ Und er sprach zu ihnen: „Wahrlich, diese sind eure Mitbrüder aus der großen Familie Gottes, eure Brüder und Schwestern, welche denselben Atem des Lebens von dem Ewigen haben.

10. Und wer immer für einen der kleinsten von ihnen sorgt und ihm Speise und Trank gibt in seiner Not, der tut dieses mir, und wer es willentlich duldet, dass eines von ihnen Mangel leidet, und es nicht schützt, wenn es misshandelt wird, lässt dieses Übel zu, als sei es mir zugefügt. Denn ebenso wie ihr in diesem Leben getan habt, so wird euch im kommenden Leben getan werden.“

 

 

Kapitel 38: Über das Töten von Tieren – Auferweckung des Jünglings von Nain

 

1. Und einige seiner Jünger kamen zu ihm und erzählten ihm über einen Ägypter, einen Sohn des Belial, der lehrte, dass es nicht wider das Gesetz sei, die Tiere zu quälen, wenn ihr Leiden den Menschen Nutzen bringe.

2. Und Jesus sprach zu ihnen: „Wahrlich, ich sage euch, wer Vorteile zieht aus dem Unrecht, das einem Geschöpf Gottes zugefügt wird, der kann nicht rechtschaffen sein. Ebenso wenig können die mit heiligen Dingen umgehen oder die Geheimnisse des Himmels lehren, deren Hände mit Blut befleckt sind oder deren Mund durch Fleisch verunreinigt ist.

3. Gott gibt die Körner und die Früchte der Erde zur Nahrung; und für den rechtschaffenen Menschen gibt es keine andere rechtmäßige Nahrung für den Körper.

4. Der Räuber, der in ein Haus einbricht, das von Menschen gebaut ist, ist schuldig; aber selbst die geringsten von denen, die in ein Haus einbrechen, das von Gott gebaut ist, sind die größeren Sünder. Deshalb sage ich zu allen, die meine Jünger werden wollen, haltet eure Hände frei vom Blutvergießen und lasst kein Fleisch über eure Lippen kommen; denn Gott ist gerecht und gütig und hat befohlen, dass die Menschen leben sollen allein von den Früchten und den Samen der Erde.

5. Aber wenn ein Tier sehr leidet, so dass sein Leben ihm eine Qual ist, oder wenn es gefährlich wird für euch, so erlöset es von seinem Leben rasch und mit so wenig Schmerz, als ihr könnt. Schicket es hinüber in Liebe und Barmherzigkeit und quält es nicht, und Gott, euer Vater, wird euch Barmherzigkeit zeigen, ebenso wie ihr Barmherzigkeit gezeigt habt denen, die in eure Hände gegeben sind.

6. Und was auch immer ihr tut dem geringsten meiner Kinder, das tut ihr mir. Denn ich bin in ihnen, und sie sind in mir. Ja, Ich bin in allen Geschöpfen, und alle Geschöpfe sind in mir. An allen ihren Freuden erfreue ich mich auch, und an allen ihren Schmerzen leide ich auch. Darum sage ich euch: Seid gütig miteinander und mit allen Geschöpfen Gottes.“

 

 

Kapitel 41: Bekehrung des Vogelfängers – Heilung eines Blinden

 

1. Und als Jesus nach Jericho ging, begegnete ihm ein Mann mit jungen Tauben und einem Käfig voller Vögel, die er gefangen hatte. Und er sah ihren Jammer darüber, dass sie ihre Freiheit verloren hatten und darüber hinaus litten sie Hunger und Durst.

2. Und er sprach zu dem Mann: „Was tust du mit diesen?“ Und der Mann antwortete: „Ich lebe davon, dass ich die Vögel verkaufe, die ich gefangen habe.“

3. Und Jesus sprach zu ihm: „Was denkst du, wenn ein Stärkerer oder Klügerer, als du bist, dich gefangen nehmen und dich fesseln würde oder deine Frau oder deine Kinder und dich ins Gefängnis werfen würde, um dich zu seinem eigenen Vorteile zu verkaufen und seinen Lebensunterhalt damit zu verdienen?

4. Sind diese da nicht deine Mitgeschöpfe, bloß schwächer als du? Und sorgt nicht derselbe Gott, Vater und Mutter, für sie ebenso wie für dich? Lasse diese deine kleinen Brüder und Schwestern in Freiheit, und siehe zu, dass du solches nie wieder tust, sondern dass du ehrlich dein Brot verdienst.“

5. Und der Mann erstaunte über diese Worte und seine Vollmacht und ließ die Vögel frei. Als die Vögel herauskamen, flogen sie zu Jesus, setzten sich auf seine Schultern und sangen ihm.

6. Und der Mann fragte weiter nach seiner Lehre, und er ging seines Weges und erlernte das Korbflechten. Durch seine Arbeit erwarb er sich sein Brot und zerbrach seine Käfige und Fallen und wurde ein Jünger Jesu.

 

 

Kapitel 42: Jesus lehrt über die Ehe – Heilung der zehn Aussätzigen

 

6. Und sie entgegneten ihm: „Warum hat dann Moses geboten, einen Scheidebrief zu geben?“ Und er sprach zu ihnen: „Wegen der Härte eurer Herzen litt Moses, dass ihr euch von euren Frauen scheidet, ebenso wie er auch erlaubte, Fleisch zu essen in vielen Fällen; aber von Anfang an ist es nicht so gewesen.

7. Und ich sage euch: Wer immer seine Frau verstößt, es sei denn aus einem berechtigten Grund, und heiratet eine andere an ihrer Stelle, der bricht die Ehe.“

 

 

Kapitel 44: Das Bekenntnis der Zwölf – Die Grundpfeiler der Gemeinde

 

12. „Wehe der Zeit, wo der Geist der Welt in die Gemeinde eintritt und meine Lehren und Gebote durch die Verderbtheit von Männern und Frauen für ungültig erklärt werden. Wehe der Welt, wenn das Licht verborgen wird! Wehe der Welt, wenn dies geschehen wird!“

 

 

Kapitel 46: Jesu Verklärung – Die zwölf Gebote

 

7. Und Jesus sprach zu ihnen: „Siehe, ich gebe euch ein neues Gesetz, welches aber nicht neu ist, sondern alt. Ebenso wie Moses die Zehn Gebote gab dem Volk Israel dem Fleische nach, so will Ich euch die zwölf Gebote geben für das Reich Israel dem Heiligen Geiste nach.

8. Wer ist dieses Israel Gottes? Alle aus jedem Volk und jedem Stamme, welche Gerechtigkeit üben, Liebe und Barmherzigkeit und meine Gebote befolgen, diese sind das wahre Israel Gottes.“ Und sich erhebend, sprach Jesus:

9. „Höre, o Israel, JHVH, dein Gott, ist der Eine. Ich habe viele Seher und Propheten. In mir leben und bewegen sich alle und haben ihr Dasein.

10. Ihr sollt nicht das Leben nehmen irgendeinem Geschöpfe aus Vergnügen oder zu eurem Vorteil, noch es quälen.

11. Ihr sollt nicht das Gut eines anderen stehlen, auch nicht für euch selbst Länder und Reichtümer sammeln, mehr, als ihr bedürfet.

12. Ihr sollt nicht das Fleisch essen noch das Blut eines getöteten Geschöpfes trinken, noch etwas anderes, welches Schaden eurer Gesundheit oder eurem Bewusstsein bringt.

13. Ihr sollt keine unreinen Ehen schließen, wo keine Liebe und Reinheit sind, noch euch selbst verderben oder irgendein Geschöpf, das von dem Heiligen rein geschaffen worden ist.

14. Ihr sollt kein falsches Zeugnis geben gegen euren Nächsten, noch willentlich jemand täuschen durch eine Lüge, um ihm zu schaden.

15. Ihr sollt niemandem tun, was ihr nicht wollt, dass man euch tue.

16. Ihr sollt anbeten den einen, den Vater im Himmel, von dem alles kommt, und ehren Seinen heiligen Namen.

17. Ihr sollt ehren eure Väter und Mütter, welche für euch sorgen, ebenso alle gerechten Lehrer.

18. Ihr sollt lieben und beschützen die Schwachen und Unterdrückten und alle Geschöpfe, welche Unrecht erleiden.

19. Ihr sollt mit euren Händen alles erarbeiten, was gut und geboten ist. So sollt ihr essen die Früchte der Erde, auf dass ihr lange lebt in dem Land.

20. Ihr sollt euch reinigen alle Tage und am siebenten Tage ausruhen von eurer Arbeit und den Sabbat und die Feste eures Gottes heilig halten.

21. Ihr sollt den anderen das tun, was ihr wollt, das man euch tue.“

 

 

Kapitel 47: Richtiges Verständnis der Gebote – Gleichnis vom reichen Manne und dem Bettler Lazarus

 

1. Und als sie vom Berg herabgekommen waren, fragte ihn einer seiner Jünger: „Meister, wird ein Mensch in das Leben eingehen, wenn er nicht alle Gebote hält?“ Und er sprach: „Das Gesetz ist gut dem Buchstaben nach, aber es ist noch besser dem Geiste nach. Denn der Buchstabe ohne den Geist ist tot, aber der Geist macht den Buchstaben lebendig.

2. Gebt acht, dass ihr im Herzen und im Geiste der Liebe alle Gebote befolgt, welche ich euch gegeben habe.

3. Es stehet geschrieben: Du sollst nicht töten. Ich aber sage euch, die da hassen und wünschen zu töten, sind schuldig am Gesetz. Ja, wenn sie unschuldigen Geschöpfen Schmerz und Qual bereiten, so sind sie schuldig. Aber wenn sie töten, nur um Leiden, die nicht geheilt werden können, ein Ende zu bereiten, so sind sie nicht schuldig, wenn sie es rasch und in Liebe tun.

6. Und Ich sage euch wiederum: Jeder, der den Körper irgendeines Geschöpfes zur Nahrung, zum Vergnügen oder zum Gewinn zu besitzen sucht, verunreinigt sich hierdurch.

 

 

Kapitel 48: Jesus speist tausend Menschen und heilt am Sabbat

 

9. „Doch, wenn ihr erkennen würdet, was dies bedeutet: Ich will Mitleid und kein Opfer, so würdet ihr die Schuldlosen nicht verurteilt haben.“

 

 

Kapitel 49: Der wahre Tempel Gottes

 

1. Das Passahfest war nahe. Und es geschah, dass einige der Jünger, welche Maurer waren, die Räume des Tempels ausbesserten. Jesus kam vorbei, und sie sagten zu ihm: „Meister, siehst du diese großen Bauwerke und was für Arten von Gestein hier sind und wie wunderbar das Werk unserer Vorfahren ist?“

2. Und Jesus sprach: „Ja, es ist wunderschön, und sorgfältig sind die Steine gefügt, aber die Zeit wird kommen, da nicht ein Stein auf dem anderen bleiben wird; denn der Feind wird die Stadt und den Tempel überwältigen.

3. Aber der wahre Tempel ist der Leib des Menschen, in welchem Gott wohnt durch den Geist. Und wenn dieser Tempel zerstört wird, wird Gott in drei Tagen einen noch schöneren Tempel errichten, welchen das Auge des natürlichen Menschen nicht erkennen kann.

4. Wisset ihr denn nicht, dass ihr die Tempel des Heiligen Geistes seid? Und dass selbst zerstört werden soll, wer einen von diesen Tempeln zerstört?“

5. Und mehrere der Schriftgelehrten, welche ihn hörten, suchten ihm eine Falle zu legen aus seinen Worten und sagten: „Wenn du die Opferung von Schafen und Rindern und von Vögeln verwirfst, zu welchem Zwecke wurde denn dieser Tempel von Salomon für Gott gebaut, an dem nun seit sechsundvierzig Jahren erneuert wird?“

6. Und Jesus antwortete und sprach: „Es steht geschrieben bei den Propheten: mein Haus soll ein Gebetshaus aller Völker sein für das Lob- und Dankopfer. Ihr aber habt ein Schlachthaus daraus gemacht und es mit Gräuel erfüllt.

7. Und es steht weiter geschrieben: Vom Aufgange der Sonne bis zu ihrem Untergange soll mein Name groß sein unter den Heiden, und Weihrauch mit einer reinen Opfergabe soll mir dargebracht werden. Doch ihr habt daraus eine Stätte der Trostlosigkeit gemacht mit euren Blutopfern und den süßen Weihrauch nur verwendet, um den üblen Geruch des Blutes zu verdecken. Ich bin gekommen, um das Gesetz zu erfüllen, nicht, um es aufzulösen.

8. Wisset ihr nicht, was geschrieben steht? Gehorsam ist besser als Opfer, und hören besser als das Fett der Widder. Ich, der Herr, bin überdrüssig eurer Brandopfer und eurer nichtigen Opfergaben, denn eure Hände sind voll Blut.

9. Und stehet nicht geschrieben: Was ist das wahre Opfer? Waschet euch und reinigt euch und entfernet das Böse vor meinen Augen; höret auf, Übles zu tun, und lernet, Gutes zu tun. Übet Gerechtigkeit an den Vaterlosen und den Witwen und an allen, welche unterdrückt werden. Und auf diese Weise werdet ihr das Gesetz erfüllen.

10. Der Tag wird kommen, wo alles, was in dem äußeren Hofe ist und zu den Blutopfern gehört, hinweggenommen wird und die reinen Anbeter den Ewigen in Reinheit und in Wahrheit anbeten werden.“

11. Und sie entgegneten: „Wer bist du, der du die Opfer abschaffen willst und die Saat Abrahams verachtest? Hast du diese Gotteslästerung von den Griechen und den Ägyptern gelernt?“

12. Und Jesus sprach: „Ehe Abraham war, bin ich.“ Und sie weigerten sich zu hören, und einige sagten: „Er ist von einem Dämon erfüllt.“ Und andere sagten: „Er ist verrückt.“ Und sie gingen ihres Weges und erzählten alles den Priestern und Ältesten. Und diese wurden wütend und sagten: „Er hat Gott gelästert.“

 

 

Kapitel 51: Die Wahrheit macht frei – Vom rechten Verständnis der Gebote

 

12. Und einige der Ältesten und Schriftgelehrten des Tempels kamen zu ihm und sagten: „Warum lehren deine Jünger die Menschen, dass es wider das Gesetz ist, das Fleisch von Tieren zu essen, da sie doch nach dem Befehl des Moses als Opfer dargebracht werden?

13. Denn es ist geschrieben: Gott sprach zu Noah: Furcht und Schrecken vor euch soll auf jedes Tier des Feldes kommen und auf jeden Vogel der Luft und jeden Fisch im Wasser, wenn sie in eure Hände gefallen sind.“

14. Und Jesus sprach zu ihnen: „Ihr Heuchler, wohl sprach Jesaja von euch und euren Vorvätern: Dieses Volk ist mir nahe mit seinem Munde und ehret mich mit seinen Lippen, aber ihr Herz ist ferne von mir, denn sie beten mich vergeblich an und lehren in meinem Namen als göttliche Lehren, was Gebote der Menschen sind, um ihre eigenen Gelüste zu befriedigen.

15. Und ebenso gibt Jeremia Zeugnis, wenn er über die Blutopfer sagt: Ich, euer Gott, befahl nichts davon in den Tagen, als ihr aus Ägypten gekommen seid, sondern ich befahl euch nur Rechtschaffenheit, Festhalten an den alten Gebräuchen, Gerechtigkeit zu pflegen und demütig vor eurem Gott zu wandeln.

16. Ihr aber habt nicht auf mich gehört, der euch von Anfang an alle Arten von Samen gab und Früchte der Bäume und Kerne für die Nahrung und zur Heilung von Mensch und Tier.“ Und sie entgegneten: „Du sprichst wider das Gesetz.“

17. Und er sprach abermals über Moses: „Wahrlich, ich spreche nicht wider das Gesetz, sondern gegen die, welche sein Gesetz verdarben, das er wegen der Härte eurer Herzen erlaubte.

18. Doch siehe! Ein Größerer denn Moses ist da!“ Und sie gerieten in Zorn und hoben Steine auf, um sie auf ihn zu werfen. Aber Jesus ging mitten durch sie hindurch und war vor ihrer Gewalt verborgen.

 

 

Kapitel 55: Christus, der gute Hirte – Eins mit dem Vater

 

1. Eines Tages zog ein Hirte vorüber, der seine Herde in die Gemeinde trieb. Und Jesus nahm eines der jungen Lämmer in seine Arme und sprach zu ihm voller Liebe und drückte es an seine Brust.

 

 

Kapitel 57: Von den kleinen Kindern – Gleichnis von den Fischen – Vergebung der Sünden

 

6. Da kamen einige, die voll Zweifel waren, zu Jesus und sagten: „Du hast uns gesagt, dass unser Leben und Sein von Gott sei, aber wir haben niemals Gott gesehen, noch kennen wir einen Gott. Kannst du uns ihn zeigen, den du den Vater nennst und den einzigen Gott? Wir wissen nicht, ob es einen Gott gibt.“

7. Jesus antwortete ihnen und sprach: „Hört dieses Gleichnis von den Fischen. Die Fische eines Flusses sprachen miteinander und sagten: Man erzählt uns, dass unser Leben und Sein vom Wasser komme, aber wir haben nie Wasser gesehen, wir wissen nicht, was es ist. Da sprachen etliche von ihnen, welche klüger waren als die anderen: Wir haben gehört, dass im Meere ein kluger und gelehrter Fisch lebt, der alle Dinge kennt. Lasset uns zu ihm gehen und ihn bitten, dass er uns das Wasser zeige.

8. So machten sich einige von ihnen auf, um den großen und weisen Fisch zu suchen, und sie kamen endlich in die See, wo der Fisch lebte, und sie fragten ihn.

9. Und als er sie gehört hatte, sprach er zu ihnen: Oh, ihr dummen Fische, dass ihr nicht denkt! Doch klug seid ihr wenigen, die ihr sucht. Im Wasser lebt ihr und bewegt ihr euch und habt ihr euer Dasein; aus dem Wasser seid ihr gekommen, zum Wasser kehret ihr wieder zurück. Ihr lebt im Wasser, aber ihr wisst es nicht. In gleicher Weise lebt ihr in Gott, und doch bittet ihr mich: zeige uns Gott. Gott ist in allem, und alles ist in Gott.“

 

 

Kapitel 71: Die Reinigung des Tempels

 

1. Das Passahfest der Juden war nahe, und Jesus zog wieder von Bethanien hinauf nach Jerusalem. Und er fand im Tempel sitzen, die da Ochsen, Schafe und Tauben feil hatten und auch die Geldwechsler.

2. Da machte er eine Geißel aus sieben Stricken und trieb sie alle zum Tempel hinaus. Er ließ die Schafe und Ochsen und die Tauben frei, schüttete den Wechslern das Geld aus und stieß die Tische um.

3. Und er sprach zu ihnen: „Schafft all das hinaus und macht nicht meines Vaters Haus zu einem Kaufhaus. Steht es nicht geschrieben: Mein Haus soll ein Bethaus heißen für alle Völker? Ihr aber habt eine Diebeshöhle daraus gemacht und es mit allem möglichen Gräuel erfüllt.“

4. Und er duldete nicht, dass einer eine Schüssel voll Blutes durch den Tempel trug oder dass Tiere getötet würden. Und seine Jünger dachten daran, dass geschrieben steht: „Der Eifer um dein Haus hat mich gefressen.“

 

 

Kapitel 73: Der rechte Weinstock

 

10. Dies gebiete ich euch: Dass ihr einer den anderen liebt und ebenso alle Geschöpfe Gottes.

 

 

Kapitel 75: Das letzte Passahmahl

 

1. Am Abend kam er in das Haus, wo die Zwölf und ihre Begleiter versammelt waren; Petrus, Jakobus, Thomas, Johannes, Simon, Matthäus, Andreas, Nathanael, Jakobus, Thaddäus, Judas und Philippus und ihre Gefährten (und da war auch Judas Ischarioth, der von den Leuten zu den Zwölfen gezählt wurde, bis zu der Zeit, da er sich entlarvte).

2. Und sie waren alle in Kleider von reinem, weißen Leinen gekleidet; denn Leinen ist die Gerechtigkeit der Heiligen. Und jeder trug die Farbe seines Stammes. Der Meister aber war gekleidet in sein rein weißes Gewand ohne Naht oder Makel.

3. Und sie begannen darüber zu streiten, wer von ihnen als der Größte gelten sollte, darum sprach er zu ihnen: „Die Könige der Heiden üben Herrschaft über sie aus, und die da herrschen, werden Wohltäter genannt. Aber ihr sollt nicht so sein. Wer unter euch der Größte ist, soll wie der Jüngste sein, und wer der Erste ist, der soll dienen.

4. Und Jesus sprach: „Mit Sehnsucht habe ich danach verlangt, dieses Passahmahl mit euch zu begehen, bevor ich leide, und um das Gedenken meines Opfers für den Dienst und die Erlösung aller Menschen einzusetzen. Denn siehe, die Stunde kommt, da des Menschen Sohn den Händen der Sünder preisgegeben wird.“

5. Und einer der Zwölf fragte ihn: „Herr, bin ich es?“ Und er antwortete: „Der, dem ich den Bissen geben werde, der ist es.“

6. Und Judas Ischarioth sagte zu ihm: „Siehe, das ungesäuerte Brot, den gemischten Wein, das Öl und die Kräuter, doch wo ist das Lamm, das Moses befohlen hat?“ (Denn Judas hatte das Lamm gekauft; doch Jesus hatte verboten, dass es geschlachtet werde.)

7. Und Johannes weissagte aus dem Geiste: „Sehet das Lamm Gottes, den guten Hirten, der sein Leben für seine Schafe hingibt.“ Judas war betroffen bei diesen Worten, denn er wusste, dass er ihn verraten werde. Aber noch einmal fragte Judas: „Meister, steht nicht geschrieben im Gesetze, dass ein Lamm geschlachtet werden müsse für das Passahfest innerhalb der Tore?“

8. Und Jesus antwortete: „Wenn ich auf das Kreuz gehoben werde, dann wird wahrhaftig das Lamm geschlachtet sein. Wehe aber dem, durch den es in die Hände der Schlächter geliefert wird. Es wäre für ihn besser, er wäre nie geboren.

9. Wahrlich, ich sage euch, darum bin ich in die Welt gekommen, dass ich abschaffe alle Blutopfer und das Essen des Fleisches der Tiere und Vögel, die von Menschen geschlachtet werden.

10. Am Anfange gab Gott allen die Früchte der Bäume und die Saaten und die Kräuter zur Nahrung; doch die, welche sich selbst mehr liebten als Gott oder ihre Nächsten, verdarben ihre Sitten und brachten Krankheiten in ihre Körper und erfüllten die Erde mit Begierden und Grausamkeit.

11. Nicht durch das Vergießen von unschuldigem Blut, sondern durch ein rechtschaffenes Leben werdet ihr den Frieden Gottes finden. Ihr nennt mich den Christus Gottes, und ihr sprechet wahr; denn ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.

12. Gehet diesen Weg, und ihr werdet Gott finden. Suchet die Wahrheit, und die Wahrheit wird euch frei machen. Lebet im Leben, und ihr werdet den Tod nicht sehen. Alle Dinge leben in Gott, und der Geist Gottes erfüllt alle Dinge.

13. Haltet die Gebote. Liebe deinen Gott mit deinem ganzen Herzen und deinen Nächsten wie dich selbst. Daran hängt das ganze Gesetz und die Propheten. Und die Summe des Gesetzes ist dies: Tut niemandem, was ihr nicht wollt, das andere euch tun. Tut das anderen, was ihr wollt, das andere euch tun sollen.

14. Gesegnet seien, die dieses Gebot erfüllen; denn Gott ist in allen Geschöpfen offenbar. Alle Geschöpfe leben in Gott, und Gott ist in ihnen verborgen.“

15. Und danach tauchte Jesus den Bissen ein, gab ihn Judas Ischarioth und sprach: „Was du tust, das tue bald!“ Dieser aber, nachdem er den Bissen empfangen hatte, trat sogleich hinaus. Und es war Nacht.

16. Nachdem Judas Ischarioth hinausgegangen war, sprach Jesus: „Nun ist des Menschen Sohn verherrlicht unter seinen Zwölfen und Gott ist verherrlicht in ihm. Und wahrlich, ich sage euch, die euch aufnehmen, werden mich aufnehmen, und die mich aufnehmen, nehmen den Vater auf, der mich gesandt hat. Und euch, die ihr mir folget in der geistigen Erneuerung als meine Auserwählten, werde ich ein Reich aufrichten, so wie mir eines errichtet wurde, und ihr, die ihr treugeblieben seid der Wahrheit, werdet sitzen auf zwölf Thronen und die zwölf Stämme Israels richten.“

17. Und einer fragte ihn: „Herr, willst du das Königreich Israel wieder aufrichten?“ Aber Jesus antwortete: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt, noch sind alle Israel, die sich Israel nennen.

18. Diejenigen in jedem Volke, die sich nicht durch Grausamkeit besudeln, die Gerechtigkeit üben, die Barmherzigkeit lieben und die Werke Gottes ehren, die Hilfe leisten den Schwachen und Unterdrückten – diese sind das Israel Gottes.“

 

 

Kapitel 76: Die Fußwaschung – Das letzte Abendmahl

 

5. Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr euch untereinander und alle Geschöpfe Gottes liebet. Liebe ist die Erfüllung des Gesetzes. Liebe ist von Gott, und Gott ist Liebe. Wer nicht liebt, der kennt Gott nicht.

6. Jetzt seid ihr rein durch das Wort, das ich zu euch gesprochen habe. Daran sollen euch alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid, dass ihr euch untereinander liebet und Barmherzigkeit und Liebe zeiget allen Geschöpfen Gottes, besonders denen, die schwach und unterdrückt sind und unschuldig leiden. Denn die ganze Erde ist voll von dunklen Orten der Grausamkeit, mit Pein und Angst, wegen der Selbstsucht und der Unwissenheit der Menschen.

7. Ich sage euch, liebet eure Feinde, segnet, die euch fluchen, und gebet ihnen Licht in ihrer Finsternis, und lasset den Geist der Liebe in eurem Herzen wohnen und zu allen überströmen. Und abermals sage ich euch: Liebt einander und alle Geschöpfe Gottes.“ Und als er zu Ende war, sprachen alle: „Gelobt sei Gott.“

27. Nun war Judas Ischarioth in das Haus des Kaiphas gegangen und sagte zu ihm: „Siehe, er hat das Passahmahl gefeiert innerhalb der Tore mit Mazzen an Stelle des Lammes. Ich aber hatte ein Lamm gekauft; doch er verbot, dass es getötet werde. Sieh, der Mann, von dem ich es gekauft habe, ist Zeuge.“

28. Und Kaiphas zerriss seine Kleider und sagte: „Wahrlich, dieses ist kein Passahfest nach dem Gesetze des Moses. Er hat eine Tat begangen, die todeswürdig ist; denn es ist eine schwere Übertretung des Gesetzes. Wozu brauchen wir noch weitere Zeugen? Ja, soeben sind zwei Räuber im Tempel eingebrochen und haben das Gesetzbuch gestohlen, das ist das Ergebnis seiner Lehre. Lasset uns den Leuten, die ihm folgen, sagen, was er getan hat; denn sie fürchten die Macht des Gesetzes.“

 

 

Kapitel 79: Das Verhör vor dem Hohepriester Kaiphas

 

1. Der Hohepriester fragte dann Jesus über seine Jünger und seine Lehren und sagte: „Wie alt bist du? Bist du der, der sagte, dass er unseren Vater Abraham zu seiner Zeit gesehen habe?“

2. Und Jesus antwortete: „Wahrlich, ehe denn Abraham war, bin ich.“ Und der Hohepriester sagte: „Du bist noch nicht fünfzig Jahre alt, warum sagst du, dass du Abraham gesehen habest? Wer bist du denn? Wen machst du aus dir? Was lehrst du?“

3. Und Jesus antwortete ihm: „Ich habe öffentlich gesprochen vor der Welt, ich habe allezeit gelehrt in der Synagoge und im Tempel, wo alle Juden zusammenkommen, und im geheimen habe ich nichts gesagt. Warum fragst du mich? Frage die, die mich gehört haben, was ich zu ihnen geredet habe; siehe, die wissen, was ich gesagt habe.“

4. Als er aber das gesagt hatte, schlug einer der Hauptleute, die dabei standen, Jesus mit der flachen Hand und sagte: „Antwortest du so dem Hohepriester?“ Jesus antwortete ihm: „Habe ich übel geredet, so beweise, dass es Übles ist; habe ich aber recht geredet, was schlägst du mich?“

5. Nun suchten die Hohepriester, die Ältesten und der ganze Rat falsche Zeugnisse gegen Jesus, damit sie ihn töten könnten, aber sie fanden keine. Ja, es traten viele falsche Zeugen auf, aber sie stimmten nicht überein.

6. Zuletzt kamen zwei falsche Zeugen. Und einer von ihnen sprach: „Der da hat gesagt: Ich kann den Tempel Gottes zerstören und ihn in drei Tagen wieder aufrichten.“ Und der andere sprach: „Dieser Mann hat gesagt: Ich will diesen Tempel zerstören und einen anderen aufbauen.“

7. Da stand der Hohepriester auf und sagte zu ihm: „Antwortest du nichts? Wie steht es mit dem, was diese Zeugen wider dich vorbringen?“ Aber Jesus schwieg. Denn es war gegen das Gesetz der Juden, einen Menschen bei Nacht zu verhören.

8. Und sie fragten ihn: „Bist du der Christus? Sage es uns.“ Und er sprach zu ihnen: „Wenn ich es euch sage, würdet ihr mir nicht glauben. Und wenn ich euch ebenso fragte, würdet ihr weder antworten noch mich gehen lassen.“

9. Und sie fragten ihn weiter und sagten: „Leugnest du die Gesetze und verbietest du das Essen von Fleisch, das Moses befahl?“ Und er antwortete: „Siehe, ein Größerer denn Moses stehet hier.“

 

 

Kapitel 80: Die Reue des Judas

 

6. Nun hatte Jesus zu seinen Jüngern gesagt: „Wehe dem, der die Einweihung empfängt und danach in Sünde fällt!

7. Denn für solche ist kein Ort der Buße in diesem Zyklus, wenn sie begreifen, dass sie abermals den himmlischen Sohn von Gott und Mensch gekreuzigt haben, indem sie den Christus auch in sich in tiefe Schmach brachten.

8. Denn solche sind schlechter als Tiere, die ihr unwissentlich zum Verderben bestimmt; denn in eurer Schrift steht geschrieben: Was dem Tiere geschieht, das geschieht auch den Menschenkindern.

9. Sie haben alle einen Atem; ebenso wie der eine stirbt, so stirbt der andere, so dass kein Mensch einen Vorzug vor einem Tiere hat; denn alle gehen an den gleichen Ort – alle gehen aus dem Staub hervor und kehren zum Staub zurück.“

10. Solches sprach Jesus für jene, die noch nicht wiedergeboren waren, die noch nicht den Geist Gottes in ihre Seelen aufgenommen hatten, den Geist der göttlichen Liebe, die nachdem sie einmal das Licht empfangen, dennoch den Sohn Gottes von neuem kreuzigten und ihn in tiefe Schmach brachten.

 

 

Kapitel 81: Das Verhör vor Pilatus

 

9. Pilatus sagte zu ihm: „Was ist Wahrheit?“ Jesus sprach: „Die Wahrheit kommt vom Himmel.“ Pilatus sagte: „Dann ist die Wahrheit nicht auf Erden.“ Jesus sprach zu Pilatus: „Glaube es, die Wahrheit ist auf der Erde unter denen, die sie annehmen und ihr gehorchen. Die sind in der Wahrheit, die gerecht urteilen.“

 

 

Kapitel 85: Der auferstandene Jesus erscheint zwei Jüngern in Emmaus

 

11. Und es geschah, als er mit ihnen am Tische saß: Er nahm Brot und die Frucht des Weinstockes, sagte Dank, segnete, brach das Brot und gab es ihnen. Und ihre Augen wurden geöffnet, und sie erkannten ihn. Und er entschwand ihren Blicken.

 

 

Kapitel 86: Jesus erscheint im Tempel, und die Blutopfer hören auf

 

1. Es war am selben Tag zur Zeit des Opfers im Tempel. Da erschien unter den Tier- und Vogelhändlern einer in weißen Kleidern, strahlend wie Licht, und er hatte in der Hand eine Geißel mit sieben Schnüren.

2. Und bei seinem Anblicke flohen die Händler und die Käufer voll Schrecken, und etliche fielen wie tot zu Boden; denn sie erinnerten sich, wie Jesus vor seinem Tode sie in gleicher Weise aus dem Innern des Tempels gejagt hatte.

3. Und einige erklärten, sie hätten ein Gespenst gesehen, und andere, sie hätten den gesehen, der gekreuzigt war, und er sei vom Tode auferstanden.

4. Und die Opfer hörten an diesem Tage im Tempel auf; denn alle fürchteten sich, zu verkaufen oder zu kaufen; und sie ließen ihre Gefangenen frei.

5. Und die Priester und Ältesten ließen ein Gerücht umgehen, dass die, die es erzählt hatten, betrunken gewesen und nichts gesehen hätten. Doch viele versicherten, dass sie ihn mit eigenen Augen gesehen und auf dem Rücken die Geißel gespürt hätten; doch seien sie nicht fähig gewesen, sich zu wehren. Denn wenn einige von den Kühneren unter ihnen ihre Hände ausstreckten, konnten sie nicht die Gestalt greifen, die sie sahen, noch die Geißel erhaschen, die sie schlug.

6. Und von diesem Tage an glaubten sie an Jesus, dass er von Gott gesandt sei, die Unterdrückten zu befreien und zu erlösen, die gebunden waren. Und sie wendeten sich um und sündigten nicht länger.

7. Er erschien auch anderen in Liebe und Mitleid und heilte sie durch seine Berührung und befreite sie aus den Händen des Verfolgers. Und viele ähnliche Dinge wurden über ihn berichtet, und viele sprachen: „Wahrlich, das Reich Gottes ist gekommen.“

8. Und einige von denen, die gestorben waren und aufstanden, als Jesus vom Tode auferstand, erschienen und wurden gesehen von vielen in der Heiligen Stadt, und große Furcht befiel die Bösen, während Licht und Freude die Herzen der Gerechten erfüllte.

 

 

Kapitel 87: Jesus erscheint seinen Jüngern

 

1. Am Abend dieses Tages, des ersten Tages der Woche, waren die Jünger versammelt und hatten die Türen verschlossen aus Furcht vor den Juden. Da kam Jesus und stand mitten unter ihnen und sprach zu ihnen: „Friede sei mit euch!“ Aber sie erschraken und glaubten, sie würden einen Geist sehen.

2. Und er sprach zu ihnen: „Sehet, ich bin es selbst, wie ihr mich ehedem gesehen habet. Ein Geist kann wahrlich erscheinen in Fleisch und Bein, wie ihr seht, dass ich sie habe. Sehet meine Hände und Füße, greift sie an und sehet!“

3. Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen seine Hände und seine Füße. Da waren die Jünger erfreut, als sie den Herrn sahen.

4. Thomas aber, genannt Didymus, einer der Jünger, sagte zu ihnen: „Es sei denn, dass ich in seinen Händen die Nägelmale sehe und meinen Finger in die Nägelmale lege und meine Hand in sein Herz stoße, sonst will ich es nicht glauben.“ Da sprach er zu Thomas: „Sieh meine Hände, mein Herz und meine Füße; reiche deine Hand und lege deinen Finger an das Mal der Nägel und lege deine Hand an mein Herz und sei nicht ungläubig, sondern gläubig.“

5. Und Thomas sagte zu ihm: „Mein Herr und mein Gott!“ Und Jesus spricht zu ihm: „Thomas, weil du mich gesehen hast, so hast du geglaubt: Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“

6. Dann sprach Jesus wieder zu ihnen: „Friede sei mit euch! Gleichwie mich mein Vater gesandt hat, so sende ich euch.“ Und da er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: „Empfanget den Heiligen Geist; predigt das Evangelium und verkündet allen Völkern die Auferstehung des Sohnes Gottes.

7. Lehret sie das heilige Gesetz der Liebe, das ich euch gegeben habe. Denen, die ihren Sünden absagen, seien sie vergeben, und denen, die weiterhin sündigen, bleiben sie erhalten.

8. Tauft die, die glauben und bereuen, segnet und salbet sie, und bringet dar das reine Opfer der Früchte der Erde, das ich eingesetzt habe zu meinem Gedenken.

9. Siehe, ich habe meinen Leib und mein Blut am Kreuze geopfert zur Erlösung der Welt von den Sünden gegen die Liebe, und von den Blutopfern und Festen der Vergangenheit.

10. Und ihr sollt das Brot des Lebens und den Wein der Erlösung in einer reinen Gabe mit Weihrauch opfern, wie es geschrieben stehet von mir, und ihr sollt essen und trinken davon zum Gedenken, dass ich alle, die an mich glauben, befreit habe von der alten Knechtschaft eurer Vorväter.

11. Denn diese hatten ihren Bauch zu einem Gott gemacht und opferten diesem Gotte die unschuldigen Geschöpfe der Erde anstatt der fleischlichen Natur in ihnen selbst.

12. Und sie aßen das Fleisch und tranken das Blut zu ihrem eigenen Verderben, zerstörten ihre Körper und verkürzten ihr Leben ebenso wie die Heiden, die die Wahrheit nicht kennen, oder die sie kannten und zu einer Lüge umgebogen haben.

13. So wie euch sende, so sollt auch ihr andere senden, auf dass sie diese Dinge tun in meinem Namen“, und er legte ihnen seine Hände auf.

14. Und in der gleichen Weise wie die Apostel, so setzte er auch Propheten und Evangelisten und Pastoren ein, eine Heilige Priesterschaft, und er legte seine Hände auf alle, die sie zu Diakonen wählten, jedem einzelnen der vier mal Zwölf.

15. Und diese sind für die Leitung und Führung der universellen Gemeinde, damit alle untadelig seien, jeder an seinem Platze in der Einheit des Leibes Christi.

 

 

Kapitel 88: Der achte Tag nach der Auferstehung

 

1. Und nach sieben Tagen waren seine Jünger wieder im oberen Raume. Die Türen waren verschlossen. Da kam Jesus und stand in ihrer Mitte und sprach: „Friede sei mit euch!“ Und er wurde von ihnen erkannt beim heiligen Gedächtnismahl.

2. Und er sprach zu ihnen: „Liebt euch untereinander und alle Geschöpfe Gottes! Doch ich sage euch, es sind nicht alle Menschen, die die Gestalt von Menschen haben. Sind die Männer oder Frauen nach dem Ebenbilde Gottes, die Gewalttätigkeit üben, Unterdrückung und Unrecht, und eher eine Lüge als die Wahrheit sprechen?

3. Nein, wahrhaftig, bevor sie nicht wiedergeboren werden und den Geist der Liebe und der Weisheit aufnehmen in ihre Herzen. Denn nur dann sind sie Söhne und Töchter Israels, und wenn sie von Israel sind, dann sind sie als solche Kinder Gottes. Und darum bin ich in die Welt gekommen, und darum habe ich gelitten in den Händen der Sünder.“

4. Und Jesus sprach: „Ich bin gestanden inmitten der Welt und wurde gesehen und gehört im Fleische, und ich fand alle Menschen übersättigt von ihren eigenen Begierden und trunken von ihren eigenen Torheiten, und ich fand niemand, der hungerte und dürstete nach der Weisheit Gottes. Meine Seele trauert über die Menschenkinder; denn sie sind blind in ihren Herzen und taub in ihren Seelen und hören meine Stimme nicht.

5. Dies sind die Worte, die ich zu euch gesprochen habe, als ich noch bei euch gewesen bin, damit alles erfüllt werde, was geschrieben ist über mich im Gesetze von Moses und bei den Propheten und in den Psalmen.“

6. Und er öffnete ihr Verständnis, auf dass sie die Schrift erfassen könnten, und sprach zu ihnen: „So ist es geschrieben und so gebührte es Christus, zu leiden und vom Tode aufzuerstehen am dritten Tage. Und Buße und Vergebung der Sünden sollte gepredigt werden in meinem Namen unter allen Völkern, ausgehend von Jerusalem. Und ihr seid dafür Zeugen.

7. Und ich sende euch das Versprechen meines Vaters, den ihr nicht gesehen habt auf Erden. Denn wahrlich, ich sage euch, so wie die ganze Welt zerstört worden ist durch die Sünde und die Eitelkeit eines Weibes, so wird sie gerettet werden durch die Einfalt und Wahrheit eines Weibes, und durch euch soll sie gerettet werden.

 

 

Kapitel 89: Jesus erscheint am See Genezareth

 

3. Da sprach Jesus zu ihnen: „Kinder, habet ihr etwas zu essen?“ Sie antworteten ihm: „Nicht genug für alle. Nur einen kleinen Laib Brot, ein wenig Öl und ein paar getrocknete Früchte.“ Und er sprach zu ihnen: „Lasset es genug sein. Kommt und esset!“

4. Und er segnete sie, und sie aßen und wurden satt. Und da war auch ein Krug voll Wassers, und er segnete ihn gleichfalls, und siehe, es wurde zur Frucht der Rebe.

 

 

Kapitel 90: Was ist Wahrheit?

 

1. Und wiederum waren die Zwölf versammelt im Kreis der Palmen, und einer von ihnen, nämlich Thomas, sprach zu den anderen: „Was ist Wahrheit? Denn dieselben Dinge erscheinen den verschiedenen Menschen und sogar dem gleichen Menschen zu verschiedenen Zeiten verschieden. Was also ist Wahrheit?“

2. Und wie sie so redeten, erschien Jesus in ihrer Mitte und sprach: „Die Wahrheit, die eine und die absolute, ist in Gott allein; denn niemand, nicht ein einziger Mensch, weiß, was Gott allein weiß, der ist in allem. Den Menschen kann die Wahrheit enthüllt werden entsprechend ihrer Fähigkeit, zu verstehen und zu erfassen.

3. Die eine Wahrheit hat viele Seiten, und der eine sieht nur eine Seite, ein anderer eine andere, und manche sehen mehr als andere, so wie es ihnen gegeben ist.

4. Seht diesen Kristall: So wie das eine Licht offenbar ist in zwölf Flächen, ja in vier mal zwölf, und jede Fläche einen Strahl von dem Lichte zurückwirft, und der eine die eine Fläche und ein anderer eine andere anschaut, so ist es doch der eine Kristall und das eine Licht, das in allen scheint.

5. Und seht, wenn einer auf einen Berg steigt und er eine gewisse Höhe erreicht hat, dann sagt er: Dort ist der Gipfel des Berges, lasst ihn uns erreichen; und wenn er diese Höhe erreicht hat, seht, so ist eine andere darüber hinaus, bis er zu der Höhe kommt, von der aus keine andere mehr zu sehen ist, sofern er sie erreichen kann.

6. So ist es auch mit der Wahrheit. Ich bin die Wahrheit, der Weg und das Leben, und ich habe euch die Wahrheit gegeben, die ich von oben empfangen habe. Und was gesehen und empfangen wird von dem einen, wird nicht gesehen und empfangen werden von einem anderen. Was wahr erscheint den einen, erscheint nicht wahr den anderen. Die im Tale unten sind, sehen nicht das, was die sehen, die auf dem Berggipfel stehen.

7. Doch für alle ist das die Wahrheit, wie sie der einzelne Verstand sieht, und so lange, bis eine höhere Wahrheit zu dieser geoffenbart wird; der Seele, die mehr Licht empfangen kann, wird mehr Licht gegeben werden. Darum verdammt nicht die anderen, auf dass ihr nicht verdammt werdet.

8. Wenn ihr das heilige Gesetz der Liebe halten werdet, das ich euch gegeben habe, so soll euch die Wahrheit mehr und mehr enthüllt werden, und der Geist der Wahrheit, der von oben kommt, wird euch führen in die ganze Wahrheit, und sei es auch auf vielen Irrwegen, so wie die feurige Wolke die Kinder Israels durch die Wüste geleitete.

9. Vertraut dem Lichte, das ihr habt, bis euch ein höheres Licht gegeben wird. Sucht mehr Licht, und ihr werdet Überfluss haben. Rastet nicht, bis ihr findet.

10. Gott gibt euch alle Wahrheit zur Befreiung und Vervollkommnung der Seele, gleich einer Leiter mit vielen Sprossen. Die Wahrheit von heute werdet ihr verlassen für die höhere Wahrheit von morgen. Bemüht euch um Vollkommenheit.

11. Die das heilige Gesetz halten, das ich gegeben habe, werden ihre Seelen retten, wie verschieden sie auch die Wahrheit sehen mögen, die ich ihnen gegeben habe.

12. Viele werden zu mir sagen: Herr, Herr, wir waren eifrig in deiner Wahrheit. Ich aber werde zu ihnen sprechen: Nein, ihr wart eifrig, nur damit andere sie so sehen, wie ihr sie seht, und sonst keine andere Wahrheit. Glaube ohne Nächstenliebe ist tot. Liebe ist die Erfüllung des Gesetzes.

13. Wie soll der Glaube, den sie angenommen haben, ihnen nützen, wenn sie ihn nicht in Gerechtigkeit ausüben? Die, welche Liebe haben, haben alles, und ohne Liebe gibt es nichts, das Wert hat. Lasset jeden halten, was er als die Wahrheit erkennt, in der Liebe und in dem Wissen, dass dort, wo keine Liebe ist, die Wahrheit ein toter Buchstabe ist und nichts nützt.

14. Es bleiben Güte, Wahrheit und Schönheit; doch die Größte von diesen ist die Güte. Wenn etliche ihre Brüder gehasst und ihre Herzen verhärtet haben gegen die Geschöpfe von Gottes Hand, wie können diese die Wahrheit sehen zu ihrem Heile, wenn ihre Augen blind und ihre Herzen verhärtet sind für Gottes Schöpfung?

15. So wie ich die Wahrheit empfangen habe, so habe ich sie euch gegeben. Lasset jeden sie empfangen nach seiner Erleuchtung und seiner Fähigkeit, sie zu verstehen, und verfolget die nicht, die sie nach einer anderen Auslegung empfangen.

16. Denn die Wahrheit ist die Macht Gottes, und sie wird am Ende herrschen über alle Irrtümer. Doch das heilige Gesetz, das ich gegeben habe, ist verständlich für alle und gerecht und gut. Lasset es alle befolgen zur Erlösung ihrer Seelen!“

 

 

Kapitel 91: Die Ordnungen für die Gemeinde (1. Teil)

 

1. Nach seiner Auferstehung vom Tode war Jesus noch neunzig Tage mit Maria, seiner Mutter, und Maria Magdalena, die seinen Körper gesalbt hatte, und Maria Kleophas und den Zwölfen und ihren Anhängern, lehrte sie und beantwortete ihre Fragen über das Reich Gottes.

2. Und wie sie bei der Abendmahlzeit saßen, fragte ihn Maria Magdalena: „Meister, willst du uns nun die Ordnung im Reiche Gottes erklären?“

3. Und Jesus antwortete und sprach: „Wahrlich, ich sage dir, o Maria, und jedem meiner Jünger, das Himmelreich ist inwendig in euch. Doch die Zeit wird kommen, da das, was innen ist, im Äußeren offenbar wird zum Heile der Welt.

4. Ordnung ist wahrlich gut und nützlich; über allem aber ist die Liebe. Liebt einander und alle Geschöpfe Gottes, und daran sollen alle Menschen erkennen, dass ihr meine Jünger seid.“

5. Da fragte ihn einer: „Meister, willst du, dass die Kinder aufgenommen werden in die Gemeinschaft durch die Beschneidung, so wie es Moses befohlen hat?“ Und Jesus antwortete: „Für die, welche in Christus sind, gibt es weder Beschneidung noch Blutvergießen.

6. Bringt das Kind nach acht Tagen mit Danksagung und Gebet dem Vater, der im Himmel ist. Lasset ihm einen Namen geben von seinen Eltern und den Ältesten reines Wasser auf seinen Scheitel gießen, wie es geschrieben ist in den Propheten. Lasset die Eltern darauf sehen, dass es in Rechtschaffenheit erzogen werde, dass es weder Fleisch esse noch starke Getränke trinke, noch Geschöpfe verletze, die Gott dem Menschen zum Schutze in die Hand gegeben hat.“

7. Und ein anderer fragte ihn: „Meister, was willst du, wenn sie heranwachsen?“ Und Jesus sprach: „Nach sieben Jahren oder wenn sie anfangen, das Böse vom Guten zu unterscheiden, und lernen, das Gute zu suchen, lasset sie zu mir kommen: den Segen empfangen von den Händen des Ältesten oder des Engels der Gemeinde mit Danksagung und Gebet, und ermahnet sie, Fleischessen und starke Getränke und das Jagen unschuldiger Geschöpfe Gottes zu unterlassen; denn stehen sie etwa auf niedrigerer Stufe als die Pferde oder die Schafe, denen solches wider die Natur ist?“

8. Und er fragte weiter: „Wenn einer zu uns kommt, der Fleisch isst und starke Getränke trinkt, sollen wir ihn aufnehmen?“ Und Jesus sprach zu ihm: „Lasset solche im Vorhof bleiben, bis sie sich gereinigt haben von den gröberen Fehlern; denn bevor sie diese nicht begreifen und bereuen, sind sie nicht fähig, die höheren Weisungen aufzunehmen.“

9. Und ein anderer fragte ihn: „Wann willst du, dass sie die Taufe empfangen?“ Und Jesus antwortete: „Nach abermals sieben Jahren oder wenn sie die Lehre kennen und tun, was gut ist, und ein Handwerk erlernt haben, von dem sie leben können, und auf dem rechten Wege festen Schrittes gehen. Dann lasst sie um die Einweihung bitten und lasst sie prüfen durch den Engel oder den Ältesten der Gemeinde und sehen, ob sie würdig sind, und lasst sie Dank sagen und beten und in dem reinigenden Wasser untertauchen, auf dass sie zu neuem Leben emporsteigen und Gott als ihren Vater bekennen und geloben, dass sie das heilige Gesetz beachten werden und sich dem Bösen dieser Welt fernhalten.“

10. Und wieder ein anderer fragte ihn: „Meister, zu welcher Zeit sollen sie die Salbung empfangen?“ Und Jesus antwortete: „Wenn sie das Alter der Reife erlangt und sich in ihnen die siebenfältigen Gaben des Geistes geoffenbart haben, dann lasset den Engel für sie beten und danksagen und ihnen das Siegel der Salbung geben. Es ist gut, dass alle in jedem Grade sieben Jahre lang erprobt werden. Doch lasset es bei jedem entsprechend seines Wachstums geschehen, in der Liebe und in der Weisheit Gottes.“

 

 

Kapitel 92: Die Ordnungen für die Gemeinde (2. Teil)

 

5. Und es fragte ihn ein anderer: „Meister, in welcher Weise sollen wir das heilige Opfer darbringen?“ Und Jesus antwortete und sprach: „Das Opfer, das Gott insgeheim liebt, ist ein reines Herz. Doch als Gedächtnis und zur Andacht opfert ungesäuertes Brot, gemischten Wein, Öl und Weihrauch. Wenn ihr an einem Orte zusammenkommt, das heilige Opfer darzubringen, und die Lampen brennen, lasset den, der das Opfer darbringt, den Engel der Gemeinde oder den Ältesten, reine Hände und ein reines Herz haben und von den geopferten Gaben, dem ungesäuerten Brote, dem gemischten Weine und dem Weihrauch, nehmen.“

6. Und lasset ihn Dank sagen für alles und sie segnen und den Vater im Himmel anrufen, auf dass er seinen Heiligen Geist senden möge, auf dass er über sie komme und sie mache zu dem Leib und dem Blut, der Substanz und dem Leben des Ewigen, das immerwährend gebrochen und vergossen wird, für alle.

7. Und lasset ihn sie emporheben zum Himmel und beten für alle, für die, die vorausgegangen sind, für die, die noch leben, und für die, die noch kommen werden. So wie ich euch gelehrt habe, so betet auch ihr und lasset ihn das Brot brechen und ein Stückchen davon in den Becher tun und dann die Heilige Verbindung segnen, und dann lasset es ihn den Gläubigen geben und dazu in dieser Weise sprechen: Dieses ist der Leib Christi, die Substanz Gottes. Dieses ist das Blut Christi, das Leben Gottes, immerwährend gebrochen und vergossen für euch und alle zum ewigen Leben. Und ebenso, wie ihr mich habt tun sehen, ebenso tuet auch ihr im Geiste der Liebe; denn die Worte, die ich zu euch spreche, sind Geist und Leben.“

 

 

Kapitel 93: Die Ordnungen für die Gemeinde (3. Teil)

 

9. „Und vergesset nicht in euren Gebeten und Anrufungen, Fürbitten und Danksagungen den Weihrauch zu opfern, so wie es geschrieben stehet in den letzten eurer Propheten: Vom Aufgange der Sonne bis zu ihrem Untergange soll in meinem Namen an allen Orten als reine Opfergabe Weihrauch dargebracht werden; denn mein Name soll groß sein unter den Heiden.

10. Denn wahrlich, ich sage euch, der Weihrauch ist die Erinnerung an die Fürbitte der Heiligen im Verborgenen mit Worten, die nicht gesprochen werden können.“

 

 

Kapitel 94: Die Ordnungen für die Gemeinde (4. Teil)

 

5. Und wieder einer fragte ihn: „Meister, nach dem Gesetz kleidete Moses die Priester mit prächtigen Kleidern für ihre Dienste im Tempel. Sollen wir die, denen wir die heiligen Dienste anvertrauen, die du uns gelehrt hast, auch so kleiden?“ Und Jesus antwortete: „Weißes Linnen ist die Gerechtigkeit der Heiligen; doch wahrlich, die Zeit wird kommen, da Zion verwüstet sein wird, und wenn die Zeit ihrer Trauer vorüber sein wird, wird sie auferstehen und ihre schönen Gewänder anlegen, wie geschrieben steht.

6. Doch suchet zuerst die Herrschaft der Gerechtigkeit, und all das wird euch hinzugegeben werden. Suchet in allen Dingen Einfachheit, und gebet keine Gelegenheit zu edler Pracht. Suchet zuerst bekleidet zu sein mit Barmherzigkeit und mit dem Kleide der Erlösung und dem Mantel der Gerechtigkeit.

7. Wofür wäre es von Nutzen, wenn ihr diese nicht habt? Wie der Klang des Erzes und das Klingeln des Cymbals seid ihr, wenn ihr nicht die Liebe habt. Suchet die Gerechtigkeit, die Liebe und den Frieden, und alle Dinge der Schönheit werden euch hinzugegeben werden.“

 

 

Kapitel 95: Die Himmelfahrt

 

2. Und Jesus sprach zu ihnen: „Seht, ich habe euch aus den Menschen erwählt und habe euch das Gesetz und das Wort der Wahrheit gegeben.

3. Ich habe euch als das Licht der Welt gesetzt und als eine Stadt, die nicht verborgen sein kann. Doch die Zeit kommt, dass Finsternis die Erde bedecken wird und große Dunkelheit die Völker. Die Feinde der Wahrheit und der Gerechtigkeit werden herrschen in meinem Namen und eine Herrschaft dieser Welt errichten. Sie werden die Völker unterjochen und den Feind zur Lästerung veranlassen, indem sie meine Lehren durch die Ansichten der Menschen ersetzen und in meinem Namen lehren werden, was ich nicht gelehrt habe, und mit ihren Traditionen verdunkeln, was ich gelehrt habe.

4. Doch seid frohen Mutes; denn auch die Zeit wird kommen, dass die Wahrheit, die sie verborgen haben, offenbar werden wird; und das Licht wird strahlen, und die Finsternis wird verschwinden und das wahre Reich aufgerichtet, das in der Welt, doch nicht von der Welt sein wird. Das Wort der Gerechtigkeit und Liebe wird ausgehen von der Mitte, der Heiligen Stadt auf dem Berge Zion, und der Berg, der im Lande Ägypten ist, wird erkannt werden als ein Altar zum Zeugnisse des Herrn.

 

 

 

Aus: Das Friedensevangelium der Essener:

 

Und Jesus antwortete: »Sucht das Gesetz nicht in euren heiligen Schriften; denn das Leben ist das Gesetz, die Schrift jedoch ist tot. Wahrlich, ich sage euch, Moses empfing seine Gesetze von Gott nicht schriftlich, sondern durch das lebende Wort. Das Gesetz ist lebendiges Wort des lebendigen Gottes an lebendige Propheten für lebendige Menschen. In allem, was da lebt, steht das Gesetz geschrieben. Ihr findet es im Gras, im Baum, im Fluss, in den Bergen, in den Vögeln des Himmels, in den Fischen des Meeres; doch vor allem sucht es in euch selber. Denn wahrlich, ich sage euch, alles, was lebt, ist näher bei Gott als die Schrift, die ohne Leben ist.

Gott schuf das Leben und alles, was da lebt, damit sie durch das ewig lebendige Wort dem Menschen die Gesetze der wahrhaften Gottheit lehren. Gott schrieb die Gesetze nicht in die Seiten der Bücher, sondern in euer Herz und in euren Geist. Sie sind in eurem Atem, eurem Blut, euren Knochen, in eurem Fleisch, euren Eingeweiden, euren Augen, euren Ohren, und in jedem winzigen Teilchen eures Leibes. Sie sind allgegenwärtig in der Luft, im Wasser, in der Erde, in den Pflanzen, in den Sonnenstrahlen, in den Tiefen und in den Höhen. Sie alle reden zu euch, damit ihr das Wort und den Willen der lebendigen Gottheit verstehet. Doch ihr schließt eure Augen, damit ihr nicht sehet, und ihr schließt eure Ohren, damit ihr nicht höret. Wahrlich, ich sage euch, die heilige Schrift ist Menschenwerk; doch das Leben und alle seine Heerscharen sind das Werk unseres Gottes. Warum hört ihr nicht auf die Worte Gottes, die in seinen Werken geschrieben stehen? Und warum studiert ihr die toten Schriften, die das Werk von Menschenhänden sind?«

»Wie können wir Gottes Gesetze lesen, wenn nicht in den heiligen Schriften? Wo stehen sie geschrieben? Lies sie uns vor von dort, wo du sie siehst; denn wir kennen nichts anderes als die Schriften, die wir von unsern Vätern geerbt haben. Sage uns die Gesetze, von denen du sprichst, damit wir sie hören und sie uns heilen und rechtfertigen mögen.« Jesus sagte: »Ihr verstehet die Worte Lebens nicht, weil ihr im Tode wandelt. Das Dunkel trübt eure Augen, und eure Ohren sind mit Taubheit geschlagen. Denn ich sage euch, es nützt euch nichts, wenn ihr eifrig über tot Schriften brütet, während ihr durch eure Taten den verneint, der euch diese Schriften gegeben hat. Wahrlich, ich sage euch, Gott und seine Gesetze sind nicht in euren Taten. Sie sind nicht in Schlemmerei und Völlerei, noch in liederlichem Leben oder lüsternem Tun, noch in der Gier nach Reichtum oder im Hassen eurer Feinde. Alle diese Dinge sind ferne vom wahren Gott und von seinen Engeln. Sie kommen aus dem Reich der Finsternis und vom Herrn aller Übel. Und alle diese Dinge tragt ihr in euch selber und das Wort und die Kraft Gottes können nicht in euch eintreten, weil alle eure Übel und Gräuel in eurem Leibe und in eurem Geiste wohnen. Wollt ihr, dass das Wort und die Kraft des lebenden Gottes in euch strömen mögen, so beschmutzt und schändet weder euren Leib noch euren Geist; denn der Leib ist der Tempel des Geistes, und der Geist ist der Tempel Gottes. Läutert den Tempel, damit der Herr des Tempels darin wohnen und einen Ort innehaben mag, der seiner wert ist. Zieht euch von allen Versuchungen des Leibes und eures Geistes, die von Satan kommen, unter den Schatten von Gottes freiem Himmel zurück.

Erneuert euch und fastet. Denn wahrlich, sage ich euch, Satan und seine Seuchen können nur durch Fasten und Gebet vertrieben werden. Geht für euch und fastet allein, und zeigt niemandem, dass ihr fastet. Der lebende Gott wird es sehen, und groß wird euer Lohn sein. Und fastet, bis Beelzebub und alle seine Teufel von euch weichen und alle die Engel unserer Erdenmutter kommen und euch dienen. Denn wahrlich, ich sage euch, wenn ihr nicht fastet, werdet ihr euch nie aus der Gewalt Satans und aller Kräfte, die von ihm kommen, befreien können. Fastet und betet inbrünstig und sucht die Kraft des lebenden Gottes zu eurer Heilung.

Liebe kennt keinen Neid, wirkt keine Übel, ist allem Stolze fremd; sie ist nicht heftig und nicht eigensüchtig; dem Zorn anderer lässt sie seine Zeit und bildet sich nichts Böses ein; sie freut sich keines Unrechtes, wohl aber der Gerechtigkeit. Liebe verteidigt alles, Liebe glaubt alles, Liebe hofft alles, Liebe erträgt alles; nie erschöpft sie sich; Zungen aber werden verstummen, und Wissen wird dahinschwinden. Denn wir haben Wahrheit in Teilchen und Irrtum in Teilchen; doch wenn die Fülle der Vollendung gekommen sein wird, wird alles, das da geteilt ist, ausgelöscht werden. Ist der Mensch noch Kind, spricht er wie ein Kind, versteht wie ein Kind, denkt wie ein Kind; doch wird er erwachsen, so setzt er alles Kindische beiseite. Heute sehen wir nur durch Gläser und dunkle Worte. Wir erkennen nur Teilchen. Doch werden wir dereinst vor dem Angesichte Gottes sein, so werden wir unser Teilwissen aufgeben, da Er uns lehren wird. Für heute aber verbleiben diese drei: Glaube, Hoffnung und Liebe, doch die Liebe ist die größte unter ihnen.

Und heute rede ich zu euch in der lebendigen Sprache des lebendigen Gottes, durch den heiligen Geist unseres Himmelvaters. Noch ist keiner unter euch, der all das, wovon ich zu euch spreche, ganz verstehen kann. Wer euch die alten Schriften auslegt, der spricht zu euch in einer toten Sprache toter Menschen, durch seinen kranken und sterblichen Leib. Ihn können daher alle Menschen verstehen; denn sie alle sind krank und sind des Todes. Keiner sieht das Licht des Lebens. Blinde  führen Blinde auf den finstern Pfaden der Sünden, Krankheiten und Leiden, und zuletzt fallen sie alle in die Grube des Todes.

Der Vater hat mich zu euch gesandt, damit ich das Licht des Lebens vor euch scheinen lasse.

Das Licht erhellt sich und die Finsternis; doch die Finsternis kennt nur sich selber und weiß nichts vom Lichte. Noch vieles habe ich euch zu sagen; doch noch könntet ihr es nicht ertragen.

Denn ich sage euch, es ist besser, der Sohn gehorche seinem Vater und überwache seines Vaters Diener auf den Feldern, statt dass er der Schuldner des böswilligen Gläubigers werde, und in Leibeigenschaft sich abmühen und schwitzen muss, um alle seine Schulden zurückzuzahlen.

Ebenso ist besser, wenn die Menschenkinder die Gesetze ihres Himmelvaters befolgen und mit seinen Engeln in seinem Reiche arbeiten, statt dass sie Schuldner des Satans werden, des Herrn des Todes, aller Sünden und Krankheiten, und dass sie Schmerzen leiden und schwitzen, bis sie alle ihr Sünden beglichen haben. Ich sage euch wahrlich, groß und zahlreich sind eure Sünden. Viele Jahre habt ihr Satans Verlockungen nachgegeben. Ihr habt geschlemmt, gezecht, gehurt, und eure Schulden aus der Vergangenheit haben sich vervielfacht. Und nun müsst ihr sie zurückzahlen, und zu bezahlen ist hart und schwer.“

»Selig sind alle, die bis zum Ende durchhalten; denn Satans Teufel zeichnen alle eure üblen Taten in einem Buche auf, im Buche eures Leibes, und eures Geistes. Ich sage euch wahrlich, es gibt nicht eine sündige Tat, die nicht aufgezeichnet wäre, selbst vom Beginne der Welt an, vor unserm Himmelvater. Denn den Gesetzen, die Könige gemacht haben, mögt ihr entschlüpfen, doch niemals den Gesetzen eures Gottes. Und kommt ihr vor Gottes Angesicht, so werden die Teufel des Satans gegen euch zeugen durch eure Taten, und Gott sieht eure Sünden im Buche eures Leibes und eures Geistes aufgezeichnet und wird traurig bis ins Herz hinein. Doch wenn ihr eure Sünden bereut und durch Fasten und Beten die Engel Gottes sucht, dann löschen Gottes Engel jeden Tag, den ihr mit Fasten und Beten fortfahrt, ein Jahr eurer üblen Taten aus dem Buche eures Leibes und eures Geistes. Und ist dereinst die letzte Seite ausgelöscht und von all euren Sünden gereinigt, so steht ihr vor Gottes Angesicht, und Gott freut sich tief in sein Herz hinein und vergibt euch alle eure Sünden. Er befreit euch aus den Krallen Satans und vom Leiden; er nimmt euch in sein Haus und gebietet all seinen Dienern, all seinen Engeln, euch zu dienen; er gibt euch ein langes Leben, und Krankheiten werdet ihr nicht sehen. Und wenn ihr von da an statt zu sündigen eure Tage mit guten Taten verbringt, so werden die Engel Gottes alle eure guten Taten in das Buch eures Leibes und eures Geistes aufzeichnen. Ich sage euch wahrlich, keine gute Tat bleibt vor Gott unaufgezeichnet, selbst vom Beginne der Welt an. Bei euren Königen und Herrschern mögt ihr vergeblich auf euren Lohn warten; doch niemals werden eure guten Taten den Gotteslohn zu vermissen haben.

Kommt ihr vor Gottes Angesicht, so werden seine Engel mit euren guten Taten für euch zeugen.

Gott sieht eure guten Taten in euren Leibern und in eurem Geiste aufgezeichnet, und das erfreut sein Herz. Er segnet euren Leib und euren Geist und alle eure guten Taten und gibt euch als Erbe sein irdisches und himmlisches Reich, damit ihr ewig in ihm leben könnt. Selig ist, wer ins Reich Gottes eintritt; denn nie wird er den Tod sehen.«

Sage uns, welches sind die Sünden, die wir meiden müssen, damit wir nie mehr krank werden? «Jesus antwortete: »So sei es, wie euer Glaube es will.« Und er setzte sich mitten unter sie und belehrte sie:

»Zu denen vor alter Zeit wurde gesagt: »Du sollst nicht töten. «Gibt doch Gott allen das Leben, und was Gott gegeben, soll der Mensch nicht wegnehmen. Denn ich sage euch wahrlich, alles, was auf Erden lebt, kommt von der einen Mutter. Wer daher tötet, tötet seinen Bruder. Und die Erdenmutter wird sich von ihm abwenden und wird ihm ihre belebenden Brüste entziehen. Und ihre Engel werden ihn meiden, und Satan wird in seinem Leibe Wohnung beziehen. Und das Fleisch der erschlagenen Tiere wird in seinem Leibe zu seinem eigenen Grabe werden. Denn wahrlich sage ich euch, wer tötet, tötet sich selber, und wer das Fleisch gemordeter Tiere isst, isst vom Leibe des Todes. Denn in seinem Blute wird jeder Tropfen ihres Blutes zu Gift; in seinem Atem beginnt ihr Atem zu stinken; in seinem Fleisch ihr Fleisch zu schwören; in seinen Knochen ihre Knochen kreidig zu werden; in seinen Eingeweiden ihre Eingeweide zu faulen; in seinen Augen ihre Augen sich abzublättern;

aus seinen Ohren fließen ihre Ohren wie weiches Wachs. Und ihr Tod wird zu seinem Tode.

Denn nur im Dienste eures Himmelvaters werden eure Schulden von sieben Jahren euch in sieben Tagen vergeben. Satan aber erlässt euch nichts, ihm müsst ihr alles bezahlen. »Aug um Aug, Zahn um Zahn, Hand um Hand, Fuß um Fuß, Feuer um Feuer, Wunde um Wunde«; Leben um Leben, Tod um Tod. Denn der Sünde Lohn ist der Tod. Tötet nicht, noch esst das Fleisch eurer unschuldigen Beute, damit ihr nicht Sklaven Satans werdet. Denn dies bedeutet den Pfad des Leidens, und er führt zum Tode. Tut vielmehr den Willen Gottes, damit seine Engel euch auf dem Weg des Lebens dienen mögen. Gehorchet daher den Worten Gottes: »Siehe, ich habe euch jedes Gras auf Erden gegeben, das da Samen trägt und jeden Baum, dessen Frucht Samen birgt; sie sollen euch zur Nahrung dienen. Und jedem Tier auf Erden und jedem Vogel in den Lüften und allem, was da auf Erden kriecht, allem, in dem der Atem des Lebens ist, gebe ich jedes grüne Kraut zur Nahrung. […] Doch Fleisch und das Blut, das ihm Leben gibt, sollt ihr nicht essen. Und sicherlich, euer pulsendes Blut werde ich fordern, euer Blut, in dem eure Seele ist; alle erschlagenen Tiere und die Seelen aller erschlagenen Menschen werde ich fordern. Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein strenger und eifriger Gott und heimsuche die Sünden der Väter an den Kindern bis ins dritte und vierte Geschlecht derer, die mich hassen; und ich übe Barmherzigkeit an Tausenden, die mich lieben und die meine Gebote halten. Liebe den Herrn, deinen Gott, aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele und aus allen Kräften: das ist das erste und höchste Gebot.« Und das zweite ist ihm gleich: »Liebe deinen Nächsten als dich selbst. « Größere Gebote gibt es keine.«

Und nach diesen Worten blieben alle stumm; nur einer rief: »Was soll ich denn tun, Meister, wenn ich im Walde ein wildes Tier meinen Bruder zerreißen sehe? Soll ich meinen Bruder umkommen lassen oder das wilde Tier töten? Werde ich dann nicht das Gesetz übertreten?«

Und Jesus antwortete: »Zu denen vor alter Zeit wurde gesagt-. »Alle Tiere, die sich auf Erden bewegen, alle Fische des Meeres und alle Vögel der Luft sind eurer Macht übergeben. « Ich sage euch wahrlich, von allen Geschöpfen, die auf Erden leben, hat Gott nur den Menschen nach seinem Bilde geschaffen. Daher sind die Tiere für den Menschen da, nicht aber der Mensch für die Tiere. Daher übertrittst du das Gesetz nicht, wenn du das wilde Tier tötest, um deines Bruders Leben zu retten. Denn ich sage euch wahrlich, der Mensch ist mehr als das Tier.

Wer jedoch ein Tier ohne triftigen Grund tötet, auch wenn es ihn nicht angreift, aus Mordlust, oder wegen seines Fleisches, oder wegen seines Felles, oder selbst wegen seiner Zähne, der begeht eine böse Tat; denn er ist selbst zu einem wilden Tier geworden. Daher wird sein Ende auch das eines wilden Tieres sein.« Nun sagten andere »Moses, der größte in Israel, erlaubte unseren Vorvätern, das Fleisch reiner Tiere zu essen, und verbot nur das Fleisch unreiner Tiere.

Warum verbietest du uns denn das Fleisch aller Tiere7 Welches dieser Gesetze kommt von Gott: Mose Gesetz oder dein Gesetz?«

Und Jesus antwortete: »Gott gab durch Moses euren Vorvätern zehn Gebote. »Diese Gebote sind hart«, sagten unsere Vorväter und konnten sie nicht halten. Als Moses das sah, hatte er Mitleid mit seinem Volke und wollte es nicht umkommen lassen. Und so gab er ihnen zehn mal zehn Gebote, weniger harte, damit sie diese zu befolgen vermöchten. Ich sage euch wahrlich, wären eure Vorväter fähig gewesen, Gottes zehn Gebote zu halten, so hätte Moses niemals zu seinen zehn mal zehn Geboten Zuflucht nehmen müssen. Denn wessen Füße stark sind wie der Berg Zion, der bedarf keiner Krücken; wacklige Beine dagegen kommen mit Krücken weiter als ohne sie. Und Moses sagte zum Herrn: »Mein Herz ist betrübt; denn mein Volk wird verloren sein. Sie sind ohne Erkenntnis und können deine Gebote nicht verstehen. Sie sind wie kleine Kinder, die ihres Vaters Worte noch nicht fassen können. Gestatte, Herr, dass ich ihnen andere Gebote gebe, damit sie nicht umkommen. Vermögen sie nicht, mit dir zu sein, Herr, so lass sie doch auch nicht gegen dich sein, damit sie durchhalten können, und ist dereinst die Zeit gekommen, dass sie für deine Worte reif geworden sind, so enthülle ihnen deine Gesetze.« Daher zerbrach Moses die beiden Steintafeln, auf denen die zehn Gebote geschrieben standen, und er gab ihnen an deren Stelle zehn mal zehn. Und aus diesen zehn mal zehn haben die Schriftgelehrten und Pharisäer hundert mal zehn Gebote gemacht. Und sie haben unerträgliche Lasten auf eure Schultern gebürdet, und sie selber tragen sie nicht. Denn je näher bei Gott die Gebote sind, desto weniger brauchen wir; und je ferner von Gott die Gebote sind, desto mehr brauchen wir. Daher sind die Gebote der Pharisäer und Schriftgelehrten ohne Zahl; der Menschensohn hat sieben Gesetze, die Engel haben drei, Gott hat eines. Daher lehre ich euch nur die Gesetze, die ihr verstehen könnt, damit ihr Menschen werdet und die sieben Gebote des Menschensohnes zu befolgen vermögt. Dann werden auch die Engel euch eure Gesetze enthüllen, damit Gottes heiliger Geist über euch komme und euch zu seinem einen Gesetz führe.«

Und alle staunten ob seiner Weisheit und fragten ihn: »Meister, fahre fort und lehre uns alle Gebote, die wir aufnehmen können.«

Und Jesus sprach weiter: »Gott gebot euren Vorvätern: >Du sollst nicht töten. (Doch ihre Herzen waren hart, und sie töteten. Da wünschte Moses, dass sie zumindest keine Menschen töten sollten, und er erlaubte ihnen, Tiere zu töten. Doch da wurden die Herzen eurer Vorväter noch härter, und sie töteten Menschen ebenso wie Tiere. Ich aber sage euch: Tötet weder Menschen noch Tiere, ja nicht einmal die Nahrung, die ihr in euren Mund führt. Denn esst ihr lebende Nahrung, so wird sie euch beleben; doch tötet ihr eure Nahrung, so wird die tote Nahrung auch euch töten. Denn Leben kommt nur vom Leben, und vom Tod kommt immer nur Tod. Denn alles, was eure Nahrung tötet, tötet auch eure Leiber. Und alles, was eure Leiber tötet, tötet auch eure Seelen. Und eure Leiber werden, was eure Nahrung ist, gleich wie euer Geist wird, was eure Gedanken sind. Esst daher nichts, was durch Feuer, Frost oder Wasser zerstört wurde.

Denn erhitzte, erstarrte und faule Nährstoffe werden auch euren Leib erhitzen und zu Erstarrung und Fäulnis bringen. Seid nicht wie der dumme Bauer, der gekochte, gefrorene und gefaulte Saat in seine Äcker säte. Und als der Herbst kam, da trugen seine Felder nichts. Und groß war seine Not. Seid vielmehr wie jener Bauer, der lebendige Saat in seinen Acker säte und dessen Acker lebendige Weizenähren trug, hundertfach in der Zahl der gesäten Körner. Denn ich sage euch wahrlich, lebet nur durch das Feuer des Lebens und bereitet eure Nahrung nicht mit dem Feuer des Todes, das eure Nahrung, euren Leib und auch eure Seele tötet.«

»Meister, wo ist das Feuer des Lebens?« fragten einige. »In euch, in eurem Blute und in euren Leibern.«

»Und das Feuer des Todes? »fragten andere.

»Es ist das Feuer, das außerhalb eures Leibes brennt und das heißer ist als euer Blut. Mit diesem Todesfeuer kocht ihr eure Nahrung in euren Heimen und auf euren Feldern. Ich sage euch wahrlich, es ist das gleiche Feuer, das eure Nahrung und eure Leiber zerstört, gleich wie das Feuer der Bosheit eure Gedanken wie auch euren Geist verwüstet. Denn euer Leib ist, was ihr esst, und euer Geist ist, was ihr denkt. Esst daher nichts, das durch ein stärkeres Feuer als das Feuer des Lebens getötet wurde. Bereitet und esst daher alle Früchte der Bäume und alle Kräuter des Feldes und alle Milch von Tieren, soweit sie sich zur Ernährung eignen. Denn sie alle werden durch das Feuer des Lebens genährt und gereift; alle sind Gaben der Engel unserer Erdenmutter. Esst dagegen nichts, dem erst das Feuer des Todes Geschmack verleiht; denn solches ist von Satan.«

Denn Gott ist der Gott der Lebenden und nicht der Gott der Toten.

So esset immer vom Tische Gottes: die Früchte der Bäume, die Körner und Kräuter der Felder, die Milch der Tiere und den Honig der Biene. Denn alles, was darüber hinausgeht, ist von Satan, und es führt über Sünden und Krankheiten zum Tode. Die Nahrung dagegen, die ihr von der reichen Tafel Gottes esst, gibt eurem Leibe Kraft und Jugend, und Krankheit wird euch fern bleiben. Denn die Tafel Gottes speiste den alten Methusalem, und ich sage euch wahrlich, lebt ihr so, wie er lebte, so wird der Gott der Lebenden auch euch, wie ihm, ein langes Erdenleben schenken. Denn wahrlich, ich sage euch, der Gott der Lebenden ist reicher als die Reichen dieser Erde, und seine übervolle Tafel ist reicher als die reichsten Festgelage aller Reichen dieser Welt. Esst daher all euer Leben lang am Tische unserer Erdmutter, und nie werdet ihr Not zu leiden haben. Und esst ihr an ihrem Tische, so esst alle Dinge so, wie sie sich auf dem Tische der Erdmutter vorfinden. Kochet sie nicht, noch mischt sie miteinander, damit eure Eingeweide nicht dampfende Sümpfe werden. Denn ich sage euch wahrlich, dies ist in den Augen des Herrn ein Gräuel.

Und seid nicht wie der gierige Knecht, der am Tische seines Herrn immer auch das auf aß, was den anderen gehörte. Alles verschlang er in seiner Unersättlichkeit durcheinander. Als der Herr das sah, wurde er böse und jagte ihn vom Tische. Als nun alle ihr Mahl beendet hatten, mischte er alles, was auf der Tafel übrig geblieben war, zusammen, rief den gierigen Knecht zu sich und sagte: »Nimm und iss nun alles mit den Schweinen; denn dort ist dein Platz und nicht an meinem Tische.«

Gebt daher acht und beschmutzt den Tempel eures Leibes nicht mit Gräueln aller Art. Seid mit zwei oder drei Speisen, die ihr auf dem Tische eurer Erdmutter immer finden werdet, zufrieden.

Und lasst euch nicht gelüsten, alles zu verschlingen, was ihr rund um euch sehen könnt. Denn ich sage euch wahrlich, mischt ihr in eurem Leibe vielerlei Speisen, so geht der Frieden eures Leibes verloren, und ein endloser Krieg beginnt in euch zu wüten. Und der Leib wird zerstört, gleich wie Heime und Reiche sich zerstören, sobald sie sich entzweien. Denn euer Gott ist der Gott des Friedens, und nie hilft er bei Entzweiungen. Weckt daher nie den Zorn Gottes gegen euch, damit er euch nie von seinem Tische jage und ihr gezwungen seid, an Satans Tisch zu gehen, wo das Feuer der Sünden, der Krankheiten und des Todes euren Leib verderben wird.

Und wenn ihr esst, so füllt euch nie ganz. Flieht Satans Versuchungen und lauscht der Stimme von Gottes Engeln. Denn Satan und seine Macht verlocken euch, immer mehr zu essen. Lebet daher im Geiste und widerstehet den Begierden des Leibes. Und immer erfreut euer Fasten die Engel Gottes. So gebt acht, wie viel ihr esst, bis ihr ganz satt seid.

Esst nicht wie die Wilden, die in Hast sich vollstopfen und ihren Leib mit Gräueln aller Art beschmutzen. Atmet während des ganzen Mahles lang und tief, damit der Luftengel es segnen möge. Und kauet die Speise gut mit euren Zähnen, damit sie zu Wasser werde und der Wasserengel sie in eurem Leibe in Blut verwandeln kann. Und esst langsam, als wäre es ein Gebet zu Gott. Denn ich sage euch wahrlich, wer in dieser Art an Gottes Tafel isst, in den tritt Gottes Kraft ein. Satan dagegen wandelt den Leib in einen dampfenden Sumpf, den die Engel der Luft und des Wassers meiden. Und diese Menschen duldet der Herr nicht mehr an seinem Tische. Denn die Tafel des Herrn ist ein Altar, und wer dort isst, befindet sich in einem Tempel.

Denn ich sage euch wahrlich, in einen Tempel wird der Leib der Menschenkinder verwandelt und ihr Inneres in einen Altar, wenn sie Gottes Gebote halten. Setzt daher nichts auf den Altar des Herrn, wenn euer Geist sich ärgert oder plagt, noch denkt im Tempel Gottes an jemanden im Zorn. Und betretet das Heiligtum des Herrn nur, wenn ihr in euch den Ruf der Engel fühlt;

denn alles, was ihr in Sorge oder in Zorn, oder ohne Verlangen esst, wird in eurem Leib zu Gift. Denn Satans Atem beschmutzt all dies. Legt eure Gaben freudig auf den Altar eures Leibes und weist alle bösen Gedanken von euch, wenn ihr die Kraft Gottes von seinem Tische in euch aufnehmt. Und nie setzt euch zum Essen, wenn nicht der Hungerengel euch ruft Freuet euch daher immer mit Gottes Engeln an ihrer königlichen Tafel; denn dies ist dem Herrn wohlgefällig. Und euer Leben auf dieser Erde wird lange währen; denn der edelste aller Diener Gottes wird euch alle Tage dienen: der Engel der Freude.“

 

 

 

Aus: Das Evangelium des Nikodemus

 

 

Kapitel 3:

2. Und Pilatus ging wieder ins Prätorium, rief Jesus gesondert zu sich und fragte ihn: Du bist der König der Juden?
Jesus antwortete dem Pilatus: Fragst du das aus dir selbst, oder haben andere dir das von mir gesagt?
Pilatus entgegnete Jesus: Ich bin doch kein Jude! Dein Volk und die Hohepriester haben dich mir überliefert. Was hast du getan?
Jesus antwortete: Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Denn wäre mein Reich von dieser Welt, so würden meine Diener für mich streiten, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde. Nun aber ist mein Reich nicht von hier.
Da sagte Pilatus zu ihm: Bist du also ein König?
Jesus antwortete ihm: Du sagst es, dass ich ein König bin. Denn dazu bin ich geboren und gekommen, damit jeder, der aus der Wahrheit ist, meine Stimme höre.
Darauf Pilatus: Was ist Wahrheit? (Joh 18,33 ff).
Da erwiderte ihm Jesus: Die Wahrheit stammt vom Himmel.
Und Pilatus: Gibt es auf Erden keine Wahrheit?
Darauf Jesus zu Pilatus: Du siehst doch, wie die, welche die Wahrheit sagen, von den irdischen Machthabern gerichtet werden.