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Die Hand Gottes





Etwa 2006/2007 (damals war ich etwa 16 oder 17 Jahre alt) erfuhr ich ein mächtiges und wunderbares Erlebnis mit Gott, bei welchem ich noch heute Gänsehaut bekomme.
Damals besuchte ich eine Realschule, wo regelmäßige Schulgottesdienste gefeiert wurden. Dafür musste man zu einem nahegelegenen Gymnasium laufen, wo es eine extra Kapelle gab, um diese Gottesdienste abhalten zu können. Diese Gottesdienste gab es etwa alle vier Wochen und dafür wurden meist ein oder zwei Unterrichtsstunden nach der großen Pause geopfert, da es hierfür keine spezielle Zeit im Stundenplan gab. Alle vier Schulklassen des selben Jahrgangs pilgerten also zu dieser Kapelle für den Schulgottesdienst,  wo schon unser Schulpfarrer auf uns wartete.


Meist fand ich mich als Erste ein in der schlicht gehaltenen Kapelle (denn ich war schon damals sehr gläubig gewesen, habe viel gebetet und in der Bibel gelesen und habe an Engel und Schutzengel geglaubt), da sich kein anderer „cooler Jugendlicher“ freiwillig als Erster in ein „Haus des Alten da oben“ – wie man Gott häufig nannte - hineinbegab. So saß ich oft alleine dort und dachte nach, bis endlich der Gottesdienst begann und ich Gott feiern konnte. Ich war neben dem Pfarrer stets die Einzige gewesen, die wirklich mit dem Herzen bei der Sache war, denn weder meine Mitschüler noch die Lehrer hatten wirklich etwas für Gott übrig. Der Pfarrer kannte mich und dass ich gläubige Christin war, sodass er sich wohl freute, wenigstens für einen Menschen – der Gott liebte und ernst nahm - diese ganze Messe abhalten zu können, während alle anderen ihn mit gelangweilter und angewiderter Miene anschauten. Leider weiß ich heute nicht mehr, was das Thema dieses Gottesdienstes war. Aber als schließlich die Messe vorbei war und ich recht beseelt aus der Kapelle kam, um - wie die anderen - zurück zu unserer Schule zu spazieren, ahnte ich noch nicht, wie knapp ich wenige Minuten später dem Tod entkommen würde.

Ich spazierte gemütlich und im Geiste noch im Gottesdienst die Straße entlang und hatte eigentlich keine Lust, nun wieder zurück zur Schule zu gehen für weitere Unterrichtsstunden.
Wenige Meter von dem Gymnasium entfernt, von woher ich kam, gab es einen Bahnübergang, wo oft viel Verkehr herrschte. Viele Autos, Busse, Fußgänger und Fahrradfahrer drängelten sich auf den Straßen und Bürgersteigen, um so rasch wie möglich die Straßenseiten und –übergänge zu überqueren, ehe sie von den Bahnschranken und der Bahn selber böse überrascht wurden. Es herrschte hier oft Chaos. Als Fußgänger hatte man es noch irgendwie am Leichtesten rüberzukommen, da man meist oft einfach kleine Augenblicke abpasste, wenn ein Bus oder Auto stockte und man dann einfach drauflos lief. Ehe man den Bahnübergang jedoch überqueren konnte, war ein sicherer Blick auf die Gleise ratsam, denn man wusste ja nie, ob nicht die Schranken defekt waren und doch auf einmal eine Bahn angerast kam!

Auf meiner Seite des Bürgersteiges waren kaum Leute zu sehen, weiter weg von mir stand, soweit ich mich erinnere, ein älterer Herr und wenige andere Menschen, die mit mir zusammen die Straßenseite wechseln wollten. Als ich zwar sicher über die Bahnübergänge kam und als eine der Letzten der vier Jahrgänge nun den Bürgersteig überqueren wollte, musste ich zunächst natürlich nach rechts und nach links schauen, ob ein Auto kam. Um besser sehen zu können, wollte ich etwas näher an den Bürgersteig treten, ich hatte schon gesehen, dass keine Autos kamen, aber ich wollte nochmal sichergehen und trat näher, oder vielmehr – ich wollte es. Doch in diesem Moment spürte ich, wie mich jemand oder etwas an der linken Schulter sanft zurückzog, sodass ich zurücktaumelte. Überrascht sah ich mich um, aber da war niemand!

Es befand sich niemand in meiner unmittelbaren Nähe und es hatte sich auch niemand bemerkbar gemacht, der mir mitteilen wollte, dass ich auf gar keinen Fall die Straße überqueren darf! Zudem fühlte sich diese Berührung ganz und gar nicht menschlich an, wie keine menschliche Hand, die in dieser Situation schwer und bestimmt und aggressiv mich zurückgezogen hätte! Diese eine Berührung war vollkommen anders und sanft, eigentlich gar keine wirkliche Hand, aber dennoch so bestimmt und entschlossen, dass ich mich kurz fragte, ob ich mich geirrt und eine Missempfindung gehabt haben könnte. Doch in diesem Augenblick schoss ein Auto an mir vorbei, was ich aus der Ferne nicht sehen konnte, da es wie aus dem Nichts herangeflogen kam, sodass alle, die sich auf den Bürgersteigen befunden  hatten, aufschrien vor Schreck. Erschrocken sahen wir alle dem laut davonbrausenden Auto nach. Manche fassten sich vor Schock ans Herz und ich habe erst kurz danach begriffen, was passiert ist oder was hätte passieren können.

Ich habe noch nie in meinen Leben bis heute ein Auto so dermaßen rasen sehen, dass es wirklich Staubwolken hinter sich hertrug, höchstens mal im Fernsehen als Zeichentrick! Es war ebenso ein großes Wunder, dass alle vier Schulklassen und alle Lehrer und sonst kein anderer Mensch sich in diesem Augenblick auf der Straße aufgehalten hatte – außer mir beinahe! All diese vielen Menschen (vor allem sehr viele Jugendliche) standen sicher auf beiden Bürgersteigen sowie mittendrin auf der kleinen Verkehrsinsel, doch gerade ich wollte näher an den Bürgersteig treten, um zu sehen, ob die Straße frei war, um diese zu überqueren. Es wäre mir unmöglich gewesen, wenn ich so nahe an der Straße gestanden hätte, rechtzeitig zurückzutreten, wenn das Auto mit solch einer Wucht an mir vorbeigeschossen war, sodass ich vielmehr stark mitgerissen und sogar wahrscheinlich in den Tod gerissen worden wäre! Ich bekam Gänsehaut und hatte Tränen in den Augen, denn das Wesen, das mich zurückgehalten hatte und was sich nicht menschlich angefühlt hatte, hatte mir das Leben gerettet! Es war ein sanfter, aber bestimmender Druck auf meine Schulter, dass ich zurücktreten solle und es hat mich gerettet!

Ich war so überwältigt, dass ich den ganzen Weg zurück zu meiner Schule leise kleine Tränen weinte, weil ich die Gegenwart Gottes gespürt hatte und dass er sofort zur Stelle war, wenn es brenzlig wurde. Sogar jetzt, wo ich dies schreibe, habe ich wieder Gänsehaut und fühle mich gesegnet. Ich rufe mir gelegentlich diese sonderbare Berührung wieder ins Bewusstsein, um sie nicht zu vergessen, da sie unvergleichlich ist und sie mich ganz besonders intensiv mit dem Himmel verbindet. Obwohl die Trageriemen meines Rucksacks dazwischenlagen und ich die Berührung nicht wirklich auf meiner Haut gespürt habe, hat sie mich doch durchdrungen, als wäre sie direkt auf meiner Haut gewesen. Als hätte mich ein Magnet nach hinten gezogen, so wurde ich weggedrängt. Es ist kaum zu erklären und doch möchte ich so vielen Menschen die Berührung des Himmels vermitteln, die sich danach sehnen, von Gottes Hand leibhaftig berührt zu werden. Oder die eines Engels.


Ausgerechnet, als so viele Menschen sich auf der Straße tummelten, schoss ein Auto über die Straße und es wäre eine Katastrophe gewesen und ein einziges Blutbad, wenn er einfach durch die Menge gerast wäre und etliche Jugendliche totgefahren hätte. Vielleicht sogar mich. Dieses Ereignis ist etwas, das man nicht mehr vergessen kann und was mich mein gesamtes Leben begleitet und mich immer wieder aufs Neue in Glückseligkeit und Staunen versetzt. Frisch aus dem Gottesdienst lag die Hand Gottes auf mir und begleitete mich, sodass ich dem Tod entkam und sogar noch Seine große mächtige Hand habe spüren dürfen. Dieses Gefühl vergesse ich niemals.



ENDE